Know-How Diebstahl
Chinesen verklagen Medion

Wenn es um Know-how-Diebstahl geht, stehen meist chinesische Firmen am Pranger. Doch jetzt ist es umgedreht: Der Aldi-Technologielieferant Medion soll einem chinesischen Konzern Entwicklungen und Ideen geklaut haben.
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Essen/Berlin Der chinesische Technologiekonzern Artificial Life hat den als Aldi-Lieferanten bekannten Elektronikspezialisten Medion auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Ein Sprecher des Essener Landgerichts bestätigte am Dienstag den Eingang der Zivilklage.

Artificial Life wirft Medion darin unter anderem Urheberrechtsverstöße, Diebstahl geistigen Eigentums und unerlaubtes Herunterladen von Software vor. Das Unternehmen fordert, Medion die Nutzung seiner Software zu verbieten und verlangt für bereits erbrachte Leistungen eine Entschädigung von umgerechnet 4,2 Millionen Euro.

Zivilklagen kann in Deutschland jeder erheben, der einen Gerichtskostenvorschuss entrichtet. Die Tatsache, dass ein Gericht sich damit befasst, bedeutet - anders als im Strafverfahren - keinen Anfangsverdacht.

Medion reagierte gelassen auf die Klage. Es handele sich um einen wenig erfolgversprechenden Versuch, Medion zu schädigen. Artificial Life habe an einer Ausschreibung eines Medion-Auftrages teilgenommen, den Zuschlag aber nicht bekommen, teilte der Essener Konzern mit.

Konkret geht es laut Artificial-Life-Vorstandschef Eberhard Schöneburg um mehrere Monate IT-Beratung und Programmierung im vergangenen Jahr. Außerdem habe Artificial Life Medion eine elektronische Plattform zur Abwicklung von Verkäufen über Smartphones oder das Internet zur Verfügung gestellt. Die Nutzung dieser Plattform wolle seine Firma Medion verbieten lassen, erklärte Schöneburg.

„Die Medion AG misst der Klage keine Substanz bei“, teilte das Essener Unternehmen mit. Ein Termin für eine Verhandlung stand zunächst noch nicht fest.

Die Klage erregt Aufsehen, da Medion als erstes bekanntes Unternehmen in Deutschland vor einer mehrheitlichen Übernahme ausgerechnet durch chinesische Investoren steht. Der PC-Spezialist Lenovo aus Hongkong zahlt für die Mehrheit an Medion rund 629 Millionen Euro. Hong Kong ist auch der Hauptsitz von Artificial Life; der Konzern hat die Klage aber über seine deutsche Tochter mit Sitz in Berlin eingereicht.

Kommentare zu " Know-How Diebstahl: Chinesen verklagen Medion"

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  • Nachtrag: Ein "Konzern" ist Artificial Life (vormals Neurotec) auch nicht, sondern ein kleiner Mittelständler, ein Pennystock. Der Kurs ist von rund 80 auf etwa 30 Cent gesackt - und heute, zufällig nachdem das Handelsblatt die Medion-Schote gebracht hat, stieg der Kurs um knapp sieben Prozent (auch wenn das bloß 2 Cent sind.

  • Soso, Plofessol Ebelhald Schönebulg ist wiedel da - nun abel mit Schlitzaugen. :-)

    Leute, das sind ebensowenig Chinesen wie Mao Deutscher war!

    Hier also das Management von ALife:

    Aufsichtsrat:
    Eberhard Schöneburg (Deutscher)
    Rene Jaeggi (Schweizer)
    Kazutoshi Miyake (Japaner)
    Dr. Gert Hensel (Deutscher)

    Vorstand:
    Eberhard Schöneburg (s.o.) CEO and Chairman
    Frank Namyslik (Deutscher) Chief Financial Officer
    Ernest Axelbank (Amerikaner) Chief Technology Officer

    http://www.artificial-life.com/de/about_us/management

    Es ist nicht mal ne richtige chinesische Firma: "Wir sind eine US-amerikanische Aktiengesellschaft (OTC BB: ALIFE) mit zweiter Börsenzulassung in Deutschland an der Frankfurter Wertpapierbörse (Frankfurt: AIF.F; Xetra: AIF.DE). Unser Hauptsitz und Produktionsstandort ist in Hong Kong..."

    http://www.artificial-life.com/de/about_us/company_profile

    Und was für Geschäfte machen die? Ziehen z.B. Jugendlichen richtiges Geld aus der Tasche, wenn die ihren virtuellen Freundinnen virtuelle Süßigkeiten schenken. Das nennt man dann Premium Games:

    "Buy clothes, chocolates and other gifts for your Virtual Girlfriend, but pay with real money - Hong Kong-based Artificial Life has created a game where the player can have a relationship with an "artificial" girlfriend. The company is aiming to increase the wide scale use of such premium services."

    Dieser Text steht aber schon etwas länger auf deren Homepage: "Tuesday, October 5, 2004"

    http://www.artificial-life.com/de/about_us/cat/about/1/0/artaboutus_041005

    Der Witz an der Sache: Die wirklich chinesische Firma in diesem Spiel ist Medion - als Lenovo-Tochter in spe.

  • "Chinesen verklagen Medion" ... sind wir hier bei der Bild Zeitung? Ein bisschen weniger Effekthascherei wäre nicht schlecht...

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