Koch-Brüder investieren in Time-Verlag Die Milliardäre und ihre Lust auf Medien

Die Koch-Brüder verfolgen seit Jahrzehnten eine erzkonservative Agenda. Nun investieren sie zusammen mit dem Medienhaus Meredith in den liberalen Time-Verlag. Einfluss auf die Geschäfte sollen sie aber nicht erhalten.
3 Kommentare
Die Milliardäre hatten in der Vergangenheit auch Interesse an der „Los Angeles Times“. Quelle: Imago
Protest gegen Koch-Brüder 2013

Die Milliardäre hatten in der Vergangenheit auch Interesse an der „Los Angeles Times“.

(Foto: Imago)

New YorkSardi’s ist eine Institution in New York. In dem Restaurant am Times Square treffen sich seit Jahrzehnten Verleger und Redakteure zum Mittagessen. An den Wänden hängen unzählige Karikaturen von Berühmtheiten. Vor wenigen Tagen ehrte dort die Pressevereinigung Deadline Club 2017 die besten Journalisten in der Branche.

Bei der Veranstaltung sprachen die Anwesenden weniger über die Preisträger als über ein anderes Thema: Die Koch-Brüder wollen den Time-Verlag kaufen, das bekannte Magazine wie „People“, „Sports Illustrated“, „Fortune“ oder „Time“ veröffentlicht. In den Publikationen werden oft Meinungen vertreten, die den Überzeugungen von Charles und David Koch im Grunde genau entgegengesetzt sind. Beide sind in den USA als Milliardäre bekannt, die seit Jahrzehnten mit viel Geld eine erzkonservative Agenda in der Politik unterstützen.

Aus den Tischgesprächen sind jetzt Tatsachen geworden. Der amerikanische Verlag Meredith erwirbt den Time-Verlag für 1,85 Milliarden Dollar. Die Koch-Brüder unterstützten die Akquisition mit einer Finanzspritze in Höhe von 650 Millionen Dollar. Laut Tom Harty, Geschäftsführer von Meredith, ist das Investment der beiden aber passiv: „Sie nehmen keinen Einfluss auf die Geschäfte von Meredith, was auch die Ausrichtung der Redaktionen betrifft.“

Trotzdem droht ein Zusammenprall der Kulturen: Meredith und Time – die Verlage könnten kaum unterschiedlicher sein. Time verkörpert New York, das Flaggschiff des Verlags, „Time Magazine“, wurde 1923 ins Leben gerufen und sollte „das urbane und hektische Leben der Moderne“ wiedergeben. Das Wochenmagazin beeinflusst bis heute die Wirtschaft und Politik Amerikas, beispielsweise mit seiner Wahl der wichtigsten 100 Persönlichkeiten des Jahres.

Die größten Medienkonzerne der Welt
Keine Chance für die deutschen Medienkonzerne
1 von 11

Die größten Medienkonzerne der Welt haben ihren Firmensitz fast ausnahmslos in ein und demselben Land – und es ist nicht Deutschland. Wie ein Ranking des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik zeigt, liegen die deutschen Konzerne aus der Medienbranche abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Am besten schlägt sich da noch der Bertelsmann Konzern aus Gütersloh: Mit knapp 17 Milliarden Euro Jahresumsatz schafft es Bertelsmann auf Platz 15, im Vorjahr lag er noch vier Plätze weiter vorne. Das zweitstärkste deutsche Unternehmen ist der öffentlich-rechtliche Senderverbund ARD auf Platz 30, die Unternehmensgruppe ProsiebenSat.1 folgt auf Rang 48.

Platz 10: Altice Group
2 von 11

Auf Platz zehn liegt noch nicht das Land, das das Ranking um die größten Medienunternehmen der Welt eigentlich dominiert. Hier liegt in diesem Jahr die niederländische Altice Group. Der börsennotierte Konzern hatte 2016 einen jährlichen Umsatz von 23,5 Milliarden Euro nachweisen können. Damit ist die Altice Group der einzige europäische Vertreter unter den zehn größten Medienunternehmen der Welt.

Platz 9: Facebook Inc.
3 von 11

Wie erwartet gehört das Imperium um Mark Zuckerberg zu den weltweit größten Medienkonzernen – allerdings nur auf Platz neun im Ranking. Das Unternehmen, dem das soziale Netzwerk Facebook, die Videoplattform Instagram und den Messenger WhatsApp gehört, ist jedoch nur das amerikanische Schlusslicht im Ranking. Und das trotz eines Jahresumsatzes von 25 Milliarden Euro in 2016. Noch mehr Umsatz erzielen konnten fast nur andere amerikanische Firmen. Mit einer Ausnahme auf Platz acht...

Platz 8: Sony Entertainment
4 von 11

... denn auf Platz acht liegt ein Unternehmen aus Japan – Sony Entertainment. Der Player in der Unterhaltungselektronik konnte im vergangenen Jahr 25,9 Milliarden Euro umsetzen. Für noch mehr Umsatz sorgten 2016 ansonsten nur noch US-amerikanische Firmen.

Platz 7: Charter Communications Inc.
5 von 11

Charter Communications ist einer der größten Kabelbetreiber der USA. Im Jahr 2016 machte das Unternehmen Schlagzeilen mit der Übernahme von Time Warner Cable. Etwa 25 Staaten versorgt er mit Video-, Daten-, interaktiven und privaten Netzwerkdiensten. 26,2 Milliarden Euro konnte der Konzern 2016 umsetzen. Das macht ihn zum siebtgrößten Medienunternehmen der Welt. Platz sechs hält nur einen vergleichsweise geringen Vorsprung.

Platz 6: Time Warner Inc.
6 von 11

Der Verkäufer ist trotzdem noch größer: Time Warner steht hinter dem Film- und Fernsehstudio Warner Bros., hinter dem Kürzel seiner Aktie „TWX“ und hinter dem Originalverlag der Superheldencomics Superman und Batman. Der internationale Konzern mit Hauptsitz im New York ist das sechstgrößte Medienunternehmen der Welt. Im vergangenen Jahr konnte Time Warner eine stolze Summe von 26,5 Milliarden Euro Umsatz nennen.

Platz 5: News Corp. & 21st Century Fox
7 von 11

Es sind zwar mittlerweile zwei eigenständige Firmen, dennoch gehören sie zusammen: Der Zeitungs- und Buchverlag „News Corp.“ und der Film- und Fernsehkonzern „21st Century Fox“. Beide gehören zum Medienreich der amerikanischen Unternehmer Rupert und James Murdoch. Gemeinsam konnten die beiden Unternehmen im Jahr 2016 einen Umsatz von 32,2 Milliarden Euro erzielen und belegen somit Rang fünf im Ranking. Flagschiff des Verlags ist wohl das „Wall Street Journal“, zu „21st Century Fox“ gehört der Fernsehsender „Fox News“´, Amerikas kommerziell erfolgreichstes Nachrichtenprogramm.

Meredith dagegen sitzt nicht in einer Metropole, sondern in der kleinen Stadt Des Moines im Mittleren Westen der USA. Die Firma wurde 1902 von Thomas Meredith gegründet, der das Landwirtschaftsblatt „Successful Farming“ und „Better Homes & Gardens“ herausbrachte. Noch heute ist Letzteres mit sieben Millionen Lesern eines der am meisten verbreiteten Magazine Amerikas.

Auch die Kochs arbeiten in der Provinz. Ihr Vater gründete Koch Industries, eines der größten Privatunternehmen Amerikas, das in den Bereichen Öl, Plastik, Düngemittel und Papierprodukte vertreten ist. Das Konglomerat mit Sitz in Kansas führt Charles Koch, während sein Bruder David Koch sich aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen hat und in New York lebt. Der Kauf von Time dürfte ihn persönlich am meisten interessiert haben, denn es wertet ihn in der Gesellschaft der Stadt auf.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Vor wenigen Jahren hätten die Koch-Brüder keine Chance gehabt
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Koch-Brüder investieren in Time-Verlag - Die Milliardäre und ihre Lust auf Medien

3 Kommentare zu "Koch-Brüder investieren in Time-Verlag: Die Milliardäre und ihre Lust auf Medien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man muss nur Sonntags um 12.00 Uhr ARD oder Phoenix zum Presseclub
    einschalten, dann weiß man die n e u t r a l e n Medien zu kennen oder auch nicht.

  • Die Medien gehören den Milliardären. Diese haben Ihre Interressen. Meist nicht zum wohle aller Menschen!!!!

  • Ich glaube nicht, dass es schadet, wenn die "rechten" Milliardäre die Macht der Presse wiederentdecken, anstatt sie den ach so "liberalen" und "menschenfreundlichen" Milliardären des scheinlinken Lagers zu überlassen.
    Angeblich befinden sich noch über 80% der Medien in der Hand der letzteren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%