Kölner TV-Sender
Vox beschert Bertelsmann einen Rekordgewinn

Der Kölner Fernsehsender Vox legt trotz einer anhaltend schwachen Werbekonjunktur ein Rekordergebnis vor. „Wir werden in diesem Jahr bei Erlösen und Erträgen überdurchschnittlich abschneiden“, sagte Vox-Geschäftsführer Frank Hoffmann dem Handelsblatt. Schon Mitte November liege sein Unternehmen bei Umsatz und Gewinn über Vorjahr.

HB KÖLN. Genaue Zahlen wollte der Fernsehmanager mit Verweis auf die formalen Pflichten aufgrund der Börsennotierung des Mutterkonzerns RTL Group nicht nennen. Vox gilt bei Bertelsmann jedoch seit Jahren als Vorzeigesender. Innerhalb von sieben Jahren haben die Kölner ihren Umsatz verdoppelt. Im vergangenen Jahr erzielte Vox einen Nettowerbeumsatz von knapp 225 Mill. Euro. Die Umsatzrendite lag nach Branchenangaben über 20 Prozent. RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler sprach im Fall von Vox bei der Vorstellung der Konzernbilanz im Frühjahr von einem „sehr guten Ergebnis“, ohne aber genaue Zahlen zu nennen.

Insgesamt lieferte die RTL-Sendergruppe (RTL, Vox, Super RTL, N-TV, RTL Shop) in Deutschland ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Firmenwertabschreibungen (Ebita) von 262 Mill. Euro (Vorjahr: 261 Mill.) beim Gesellschafter Bertelsmann ab, obwohl der Nachrichtenkanal N-TV und der Einkaufssender RTL Shop Verluste schreiben.

Für das kommende Jahr gibt sich Hoffmann betont selbstbewusst. „Ich bin überzeugt, dass wir bei Umsatz und Gewinn im nächsten Jahr noch etwas drauflegen können.“ Der Fernsehmanager geht von einer leichten Entspannung bei der TV-Reklame aus.

Mit seinem Optimismus ist Vox nicht allein. „Der Werbemarkt hat im vierten Quartal angezogen. Es gibt niedrige einstellige Zuwachsraten“, sagte Claude Schmit, Chef des Kindersenders Super RTL. Auch der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 erwartet für 2005 eine leichte Erholung bei der Werbung: „Wir werden im nächsten Jahr ein kleines Wachstum erleben“, sagte Vorstandschef Guillaume de Posch.

Die Gründe für den Rekordgewinn von Vox sind vielfältig. Zum einen hat der Kanal durch eine geschickte Einkaufspolitik die Kosten für das Programm gedrückt. Zum anderen hat der Sender mit der Krimiserie „CSI New York“ oder mit „Gilmore Girls“ in diesem Jahr seinen Marktanteil ausgebaut: In den ersten zehn Monaten erzielte Vox in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 6,4 Prozent.

Zum Vergleich: Der Konkurrent Kabel 1, Tochter der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1, erzielte nur eine Quote von 5,5 Prozent. Vox hat in diesem Jahr den mit Abstand höchsten Zuschaueranteil seit Gründung des Senders vor zwölf Jahren erzielt. Ein höhere Quote hat für Hoffmann aber nicht oberste Priorität. „Mit manchen populären Programmen könnten wir sicher mehr Quote machen. Doch wir verzichten darauf, weil es der Marke schadet“, sagt der 39-Jährige.

Künftig will sich Vox mit neuen Themen wie Wissenschaft die Zielgruppe der 30- bis 49jährigen Frauen erschließen. Dabei solle aber die typische Vox-Handschrift erkennbar sein, sagt Hoffmann. Vorbild ist das Wissenschaftsmagazin „Galileo“ des Konkurrenzsenders Pro Sieben.

Der frühere Chef der RTL-Magazine Hoffmann steht seit Frühjahr an der Spitze von Vox. Er übernahm den Chefsessel der langjährigen Geschäftsführerin Anke Schäferkordt, die zur Deutschlandchefin der RTL-Sendergruppe aufstieg. Schäferkordt soll nun den krisengeschüttelte Hauptsender RTL zu alter Ertragsstärke zurück führen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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