Kölner Zeitungsverlag greift tief in die Tasche
DuMont vor Kauf der Frankfurter Rundschau

Der liberale Zeitungsverlag DuMont Schauberg („Kölner Stadt-Anzeiger“, „Mitteldeutsche Zeitung“) steht vor der Übernahme der „Frankfurter Rundschau“ (FR). Das Kölner Medienunternehmen will nach Informationen des Handelsblatts für den Einstieg bei der linksliberalen Zeitung rund 50 Mill. Euro an die SPD-Medienholding DDVG zahlen.

DÜSSELDORF. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Montag berichtete, will DuMont die Hälfte der Anteile übernehmen. Die DDVG hält derzeit noch 90 Prozent an dem Frankfurter Zeitungsverlag. Sowohl eine Sprecherin von DuMont als auch die DDVG wollten eine Einigung nicht bestätigen.

Die „Frankfurter Rundschau“ gilt als Sanierungsfall. Der Verlag baute massiv Arbeitsplätze ab und verkaufte seine Immobilie in der Frankfurter Innenstadt. Vor zwei Jahren befand sich das Blatt in finanzieller Schieflage und wurde von der DDVG mehrheitlich übernommen. Die SPD-Medienholding hatte jedoch betont, die Mehrheit wieder abgeben zu wollen.

Bei der SPD ist das liberale Zeitungshaus DuMont angesehen. Erst vergangene Woche wurde der frühere SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement in den Aufsichtsrat berufen. Nach Einschätzung von Insidern kommt der SPD eine Einigung mit DuMont entgegen. „Die SPD will sich bei ihren Zeitungen nicht von einem Verlag unternehmerisch abhängig machen“, hieß es in Unternehmenskreisen. Neben DuMont hatte sich auch die Verlagsgruppe Madsack („Hannoversche Allgemeine“) für die „Frankfurter Rundschau“ interessiert. Aber mit Madsack betreibt die SPD bereits die „Leipziger Volkszeitung“ und „Dresdner Neueste Nachrichten“. Zudem ist die DDVG an Madsack auch direkt beteiligt.

Der neue FR-Chefredakteur Uwe Vorkötter hatte gestern seinen ersten Arbeitstag. Er ist aus Sicht DuMonts eine Idealbesetzung. Der 52-Jährige hatte sich bereits als Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ dort für einen Einstieg von DuMont stark gemacht. Die „Berliner Zeitung“ gehörte damals der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Verleger des Handelsblatts. Holtzbrinck verkaufte die „Berliner Zeitung“ aus kartellrechtlichen Gründen. Den Zuschlag erhielt eine Investorengruppe um den Briten David Montgomery.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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