Kommentar
Angriff auf die Musikvielfalt

Der kriselnde Musikkonzern EMI wird an Universal verkauft. Ob sich der Musikmarkt darüber freuen darf, ist zweifelhaft. Es droht ein Duopol in der globalen Musik, bei der die Kreativität auf der Strecke bleibt.
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Nach einer monatelangen Hängepartie ist der kriselnde britische Musikkonzern EMI (Beatles, Coldplay, Beastie Boys) doch noch verkauft worden. Universal, die weltweite Nummer eins im Musikgeschäft, bekam für 1,4 Milliarden Euro den Zuschlag. Und Sony steht kurz vor der Vertragsunterzeichnung für das Musikverlagsgeschäft für 2,2 Milliarden Dollar. Damit geht dann BMG Publishing, der Musikverlagskonzern von Bertelsmann und KKR, leer aus. 

Die Citigroup als Verkäufer darf sich freuen. Denn sie hat ihr Ziel, rund vier Milliarden Dollar aus der Veräußerung des traditionsreichen Musikkonzerns EMI zu erzielen, nun erreicht. Ob sich der Musikmarkt freuen darf, ist allerdings zweifelhaft. Denn mit der Verkauf an Universal, der Tochter des französischen Medien- und Telefonkonzerns Vivendi, und Sony, droht ein Duopol in der globalen Musik. 

Die beiden Musikriesen teilen den Markt zukünftig sozusagen unter sich auf. Denn Warner Music, der Branchendritte, ist geschwächt und spielt in einer anderen Liga. Der börsennotierte Konzern hat zahlreiche hausgemachte Probleme. Deshalb war es keine Überraschung, dass sich Len Blavatnik, russischer Milliardär und Eigner von Warner Music, sich kürzlich vom Verhandlungstisch zurückgezogen hat. 

Für die Kreativen hat das Duopol von Universal und Sony durchaus Folgen. In einem konsolidierten Markt ist die Neigung zu Experimenten noch geringer als ohnehin. Kreativität droht mit dieser Elefantenhochzeit geschwächt zu werden. Angesichts weiter sinkender CD-Verkäufe und der grassierenden Piraterie achten die Musikmajors ohnehin auf jeden Cent. Doch ohne Risiko lassen sich nun mal keine neuen Künstler aufbauen. 

Der große Verlierer beim EMI-Geschäft scheint auf dem ersten Blick, die Bertelsmann-Tochter BMG zu sein. BMG-Chef Hartwig Masuch und der designierte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hätte liebend gerne beim verlockenden Musikrechtekatalog der EMI zugegriffen. Daraus hat das Tandem nie einen Hehl gemacht. Dass sie am Ende nicht gezockt haben, ist ein kluger Schritt. Denn die 2,2 Milliarden Dollar, die offenbar Sony bereit ist zu zahlen, sind fast schon ein Liebhaberpreis. Und BMG? Die Berliner Firma hat ihr Pulver trocken gehalten, um weiter spannende Mittelständler der Musikbranche zu kaufen. An Geld für teure Übernahmen fehlt es auch künftig nicht. Zum Ende des ersten Halbjahrs betrug die Liquidität bei Bertelsmann stolze 1,6 Milliarden Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • Say the truth? Bitte sehr, gerne: Sie haben keine Ahnung von der Gema. Der Gema ist es völlig schnurz, für welche Art von Musik sie kassiert. Was läuft, bestimmen Leute in den Sendern, und falls mal jemand diese Leute beeinflusst, ist es nicht die Gema, sondern es sind Manager der Plattenlabels. Außerdem ist Musik, die on air Gema-pflichtig ist, auch im Internet Gema-pflichtig. Es gibt auch Gema-freie Musik, aber die ist nicht mehrheitsfähig. Kein Sender will sich die Hörer vergraulen. Und wenn ein Musiker aus der Indie-Szene es mal in die Mainstreamradios schafft, sind seine Werke auch sehr schnell bei der Gema - ganz einfach weil es für die Komponisten und Texter blöd wäre, das Geld für die Senderechte nicht mitzunehmen.

  • Warum werden Währungen nicht einheitlich angegeben? Warum eird der Preis für die Tonträgersparte in Euro angegeben und der Preis für den Musikverlag in Dollar? Auch andere Medien schlamen bei diesem Thema http://blog.lukas-boehnlein.de/2011/11/weltrekord-emi-hat-13-millionen-alben.html

  • Man kann auch alles schönreden. Die Aussage "Die Berliner Firma hat ihr Pulver trocken gehalten, um weiter spannende Mittelständler der Musikbranche zu kaufen" bedeutet übersetzt: BMG spielt ab jetzt in der zweiten Liga. Das war's dann, der Zug ist abgefahren, mal wieder für ein deutsches Unternehmen. Und ich wette, dass auch E.ON bei dem anstehenden Verkauf des portugisischen Versorgers EDP es nicht gebacken kriegt. Sie haben es halt nicht daruf, unsere deutschen "globalplayer".





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