Kommentar
Apples cleverer Schachzug

Mit seinem neuen Tablet setzt Apple der Konkurrenz nicht nur ein neues Produkt vor die Nase. Der Konzern definiert auch die Maßstäbe, an denen Innovation sich künftig messen lassen muss.
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San FranciscoiPad3? iPad 2S? iPad HD? Nichts dergleichen. Apple nennt seinen jüngsten Spross einfach das „neue iPad“. Der kalifornische Kultkonzern hat aus dem Öffentlichkeitsdesaster der Einführung des iPhone 4S – alle Apple-Fans und Kritiker wollte ein iPhone 5 sehen - überraschend schnell Konsequenzen gezogen.

Die Qualität und das Innovationsniveau der Produkte sollen nicht mehr an halben oder ganzen Zahlensprüngen festgemacht werden. Es ist halt die dritte Generation des iPads. Nennt, wie ihr es wollt. Wir konzentrieren uns auf die inneren Werte.

Im Endeffekt lenkt Apple damit das Interesse weg von reinen Hardware-Spezifikationen, dem immer gleichen Rennen nach schneller, schärfer, kleiner, hin zu dem Gesamtpaket. Vierkern-Prozessoren, scharfe Displays, schöne Gehäuse, das können auch andere. Und gar nicht mal schlechter. Das hat über Jahre der Kampfplatz PC gezeigt, wo lange die Schlagzahl des Prozessors in immer mehr Gigahertz den Wert bestimmt hat. „Der neue ist noch schneller“ reichte aus, um ein „neues“ Produkt einzuführen.

Aber dann liegen sie da, die Superspielzeuge, und der Kunde fragt sich, was er nun mit der geballten Power anfangen soll. „Das iPad“ ist hingegen ein Gesamtkunstwerk aus Hardware, Software und internet-basierten Diensten. Nicht von ungefähr kam der kleine, aber vernichtende Seitenhieb auf Google, als sich Cook auf offener Bühne über lausig und lieblos designte Android-Apps lustig gemacht hat. Vorgeführt natürlich auf einem Tablet des Haupkonkurrenten Samsung.

Wenn es um die Integration aller Komponenten geht, die Kontrolle der Einzelteile, das reibungslose Funktionieren, den Spaßfaktor ab Werk, da ist Apple derzeit ungeschlagen. Der iTunes-Store macht bereits über zwei Milliarden Dollar Umsatz – in einem Quartal.

Google hat längst eingesehen, das es so nicht weitergeht, aber es ist schwer, darauf zu antworten. Die Zusammenlegung der bislang getrennten Musik-, Buch- und Software-Läden im Web ist der erste Versuch, hier gleichzuziehen. Aber noch fehlt das Kernstück – das eigene Tablet. Kein Zweifel, es wird kommen.

Bis dahin muss Google zusehen, wie Apple davoneilt. Selbst wenn das Kindle Fire von Amazon Erfolge feiert – es ist kein lupenreines Android-Gerät, Amazon hat es nach eigenem Geschmack umgebaut, hat seinen eigenen Softwareshop und Buchladen draufgesetzt. Solange diese Fragmentierung anhält, ist das keine Konkurrenz.

Das iPad der dritten Generation bietet die Verbesserungen an der richtigen Stelle, der Bildschirm ist das zentrale Kommunikationsmittel mit dem Kunden. Alle anderen Verbesserungen, wie der schnelle Prozessor, müssen dem Bildschirmerlebnis zuarbeiten. So etwa das neue iPhoto, ein Bildbearbeitungsprogramm der Sonderklasse, wie es auf dem Mac schon existiert. Doch auf dem iPad feiert es nicht einfach nur als einfache Portierung seine Wiedergeburt. Die gesamte Software ist auf die Berührungswelt ausgerichtet.

Apple verlässt sich nicht alleine auf die tausenden Apps-Programmierer. Die zentralen Bereiche – Fotos, Musik, Bücher und Film - nimmt man lieber selbst in die Hand. Das ist es, was der iPad-Käufer täglich nutzt.

Die einfache Bedienung über den Berührungsbildschirm bei iPhoto wird noch mehr Anwender unterhalb der Profiklasse vom PC wegbewegen. Das ist es, was Steve Jobs immer gewollt hat, und mit dem jüngsten iPad kommt sein Nachfolger Tim Cook diesem Ziel wieder einen Schritt näher.

Das iPad wird weiter die Premiumklasse der Tablets beherrschen. Daran besteht seit heute kein Zweifel mehr. Marktanteile werden verloren gehen, aber vor allem in hart umkämpften Einsteigerklassen und an subventionierte Spielzeuge wie das schmalbrüstige Amazon Kindle Fire. Hier will Apple ohnehin (noch) nicht mitspielen. Die hohen Gewinnmargen hingegen werden weiter in die prall gefüllten Taschen in Cupertino fließen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Stefan hat vollkommen Recht.
    Wenn man sich zurücklegt und seiner Argumentation folgt ...
    Manchmal frag ich mich wo die ganze Zeit hingeht beim geklicke ...
    Manchmal vermisse ich den Duft eines Print Mediums ... oder das Magazin im Bad ...

    Auch bin ich der Meinung das der gleichbegabte Student mit Stift und Block, dem wie ADS zerstreuten Klicker überlegen ist und auch erfolgreicher sein wird.

    Wenn die Amis glauben das Sie mit dem Ipad Ihre doofen Studenten einen Level höher bekommen, denke ich, haben Sie sich geschnitten ...

  • Wer behauptet dass das Ipad zum Computerersatz werden soll übersieht das Arbeit am einem "richtigen" Rechner sehr vielfältig sein kann.

    Oder stellen Sie sich eine Sekretärin im Büro mit nem Ipad vor. - Lachhaft.
    Also von wegen Computer Ersatz.

    GGf könnte sich dies etwas ändern wenn die Spracheingabe mal zuverlässig laufen wird.
    ABER wer Power braucht, wird nie um einen richtigen Computer herumkommen - auch wenn iJobs anderer Meinung war.

    Nebenbei ich nutze den iMac und ein iPad - also bin kein Apple hater und auch kein Jünger.
    Der iMac ist meiner Meinung die Creme nach der man sich die Finger lecken sollte.
    Multiple Betriebsysteme (OS X, Linux, Unix, Windows) - Einsatzmöglichkeit aller Programme. Super Monitor (27 Zoll) - Herz was will man mehr.

    Und das nach jahrelangem Windows Click here und there Wahnsinn.

    :)

  • Der iPad als leichtes Betthupferl ist ja ok, aber ich halte es für eine Illusion, wenn man meint, damit einen PC ablösen zu können. Das gilt doch allenfalls für unbedarfte Freizeit-Anwender.

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