Kommentar
Infineon: Gut gerüstet trotz schlechter Zeiten

Schrumpfendes Geschäft, deutlich niedrigere Margen: Die Prognose für die kommenden Monate des Halbleiterhersteller Infineon sieht nicht gut aus. Doch das Unternehmen ist gut aufgestellt, solange es seine Strategie beibehält.
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An die goldenen Zeiten der vergangenen beiden Jahre werden sich die Infineon-Mitarbeiter wohl noch lange erinnern. So gut lief das Geschäft, dass der Münchener Halbleiterhersteller mit der Lieferung gar nicht mehr nachkam und seine Ware regelrecht zuteilen musste. Das bedeutete auch viel Stress für die Mitarbeiter, weil sie viele Sonderschichten einlegen mussten. Und die Beschwerden der Kunden waren ebenfalls nicht angenehm. Die Arbeitsplätze waren aber sicher und die Gewinne sprudelten regelrecht.

Damit ist es jetzt aber vorbei. Der Auftragsboom ist zu Ende, das zeigt die heute Morgen veröffentlichte Prognose.  Infineon rechnet mit einem schrumpfenden Geschäft in den kommenden Monaten und deutlich niedrigeren Margen.

Die düstere Prognose kommt nicht überraschend, denn auch die Konkurrenz spricht seit einiger Zeit von einem schleppenden Geschäftsverlauf. Wichtige Konkurrenten von Infineon sind bereits wieder drastisch auf die Kostenbremse getreten.

Im Unterschied zu früheren Abschwungphasen braucht die Infineon-Belegschaft dieses Mal keine Angst vor einer Pleite zu haben. Finanziell steht der Konzern so gut da wie noch nie. Mehr als zwei Milliarden Euro haben die Münchener auf der hohen Kante. Damit geht es Infineon besser als vielen Wettbewerbern. Freescale etwa, der wichtigste Rivale im Autochipgeschäft, ist hoch verschuldet. Auch die ehemalige Philips-Tochter NXP drücken riesige Verbindlichkeiten. 

Dieses finanzielle Polster sollte Infineon jetzt nutzen, um Forschung und Entwicklung gezielt voran zu treiben. Auch seine Pläne zum Aufbau neuer, effizienterer Fertigungsprozesse und zusätzlicher Kapazitäten sollte Vorstandschef Bauer beibehalten. Wenn es wieder bergauf geht, könnte Infineon die Früchte ernten und sich von den Konkurrenten weit absetzen. Der US-Hersteller Texas Instruments ist mit solch einer antizyklischen Investitionsstrategie jahrzehntelang gut gefahren und Infineon sollte sich daran ein Beispiel nehmen.

Die Anleger brauchen sich von dem zurückhaltenden Ausblick deshalb nicht abschrecken lassen. Infineon ist für harte Zeiten besser gerüstet denn je – und die Chancen sind da, viele Konkurrenten abzuhängen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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