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Kommentar: Springer spielt Monopoly

Eine Komplettübernahme der Essener WAZ-Gruppe geht kartellrechtlich höchstwahrscheinlich nicht. Doch wenn der Berliner Medienkonzern Axel Springer nur nach Teilen greift, hat er sein Problem mit dem Kartellamt gelöst.

Dr. Hans-Peter Siebenhaar, Handelsblatt-Redakteur. Quelle: Pablo Castagnola
Dr. Hans-Peter Siebenhaar, Handelsblatt-Redakteur. Quelle: Pablo Castagnola

DüsseldorfAllen Unkenrufen zum Trotz: Mathias Döpfner glaubt weiter an das Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft. Allein im Internet sieht er die Zukunft von Axel Springer offenbar nicht. Denn sonst hätte der strategisch clevere Konzernchef nicht für die Essener WAZ-Gruppe, den größten Regionalzeitungsverlag Europas, geboten. Die Offerte ist kein Wunder. Denn das von Bodo Hombach und Christian Nienhaus geführte Essener Verlagshaus steht nach einer Umstrukturierung gut da. Der Konzern mit Erlösen von 1,2 Milliarden Euro fährt zweistellige Renditen ein und ist dabei, auch das Problem mit seinen Beteiligungen in Südosteuropa zu lösen. Die WAZ-Gruppe ist sozusagen eine Art Schlossallee im Zeitungs-Monopoly.

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Mit seiner Offerte macht Döpfner der WAZ-Gesellschafterin Petra Grotkamp einen Strich durch die Rechnung. Denn die Tochter des WAZ-Mitbegründers Jakob Funke wollte im Handstreich für nur rund eine halbe Milliarde Euro sich die Mehrheit an dem finanzstarken Verlagshaus aus dem Ruhrgebiet sichern.  Denn die beiden Familienstämme besitzen ein gegenseitiges Vorkaufsrecht. Der Coup, für relativ wenig Geld die Kontrolle über die WAZ zu gewinnen, wird mit dem Springer-Angebot sehr schwierig.

Das Zepter des Handelns liegt beim Testamentsvollstrecker Peter Heinemann. Der Essener Rechtsanwalt vertritt die Interessen der Gründerfamilie Brost. Der Sohn des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann muss entscheiden, ob es überhaupt zu einem Verkauf kommt und welche Offerte dann Sinn macht.

Eine Komplettübernahme geht kartellrechtlich höchstwahrscheinlich nicht. In den vergangenen Jahren haben die Bonner Wettbewerbshüter immer sehr restriktiv entschieden. Auch Springer hat bereits in der Vergangenheit mit den Kartellbeamten schlechte Erfahrungen gemacht. Die Behörde vereitelte die Übernahme des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1. Auch diesmal könnten die Beamten dem „Bild“-Konzern wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

Doch das Kartellrecht ist in diesem Fall für Döpfner kein Problem, denn er will nur einzelne Teile. Die WAZ-Beteiligungen in Österreich an „Krone“ und „Kurier“ wären beispielsweise eine ideale Ergänzung für den Berliner Konzern. Insider gehen davon aus, dass allein der 50-Prozent-Anteil der WAZ an der „Krone“ 150 Millionen Euro wert ist. Aber auch die WAZ-Programmzeitschriften würden exzellent ins Portfolio bei Springer passen. Die WAZ-Beteiligungen in Südosteuropa würden Springers Joint Venture mit dem Schweizer Verlagshaus Ringier nutzen. An Geld wird ein mögliches Geschäft mit der WAZ auf alle Fälle nicht scheitern. Springer ist quasi schuldenfrei und verfügt über ausreichende liquide Mittel, um einen solchen Deal zu stemmen.

Im Neuen Testament ist bei Paulus im 1. Timotheus-Brief, nachzulesen: „Prüfet alles und behaltet das beste“. Dieses Bibelzitat ließ am Freitagabend Testamentsvollstrecker Heinemann verbreiten und gab damit womöglich bereits die Lösung in der spektakulären Übernahmeschlacht aus. Das Monopoly-Spiel hat gerade erst begonnen.

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