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Kommentar: Suns Deal macht Sinn

Sun-Chef Scott McNealy will durch die Fusion mit dem Speicher-Unternehmen Storagetek seinen Computerkunden im High-end-Bereich komplette Systeme bieten können. Falls die Fusion gelingt, soll die neue Firma mit einem vereinten Server- und Speicherangebot von Sun Microsystems und Storagetek im Wettbewerb mit IBM, HP und EMC deutlich besser dastehen als heute.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss Scott McNealy mehr als die Hälfte seiner Barreserven von 7 Milliarden Dollar in die Hand nehmen. Für eine Storagetek-Aktie will Sun 37 Dollar in bar bezahlen. Das entspricht einer Summe von etwa 4,1 Milliarden Dollar. Eine stolze Summe für eine „Übernahme in bar“. Mit einem Aktientausch jedoch könnte Sun die Aktionäre und Mitarbeiter des Speicherspezialisten aus Louisville im US-Bundesstaat Colorado nicht für eine Fusion gewinnen. Der Kurs der Sun-Aktie ist mit einem Wert um 4 Dollar seit langem „grottenschlecht“. Doch die neue Freundschaft mit dem ehemaligen Erzfeind Microsoft wird auf dem Feld der Finanzen sicher Wirkung zeigen.

Die Branchenbeobachter in den USA sind sich einig: Technisch gesehen macht der geplante Deal Sinn. Das Speichern von Daten nimmt derzeit einen höheren Stellenwert in der Prioritätenliste der IT-Manager in den Unternehmen ein als die Rechenleistung der Computer. Das liegt vor allem an den neuen Gesetzen für das Archivieren digitaler Daten, die von den Regierungen der Industrieländer nach den Finanzskandalen der jüngsten Vergangenheit auf den Weg gebracht wurden. Dazu kommt die wachsende Flut von Daten, die durch Nutzung multimedialer Formate wie Bilder, Videos und Musik die Computerspeicher von Unternehmen und Haushalten überfluten.

Für diese Aufgaben hatte Sun bis dato im Vergleich zum Wettbewerb trotz jahrelanger Bemühungen wenig Überzeugenden in seinem Angebotsportfolio. Das wird sich mit der Übernahme von Storagetek ändern. Zwar gibt es im Bereich von Plattenspeichern gewisse Überlappungen. Mit den Bandspeichern von Storagetek aber würde Spitzenklasse unter das Dach von Sun kommen. Das Speichern auf Bändern wurde immer wieder als überalterte Technik abgeschrieben. Doch im Zuge der Datenflut erleben die totgesagten Bänder für langfristige Speicheraufgaben mit geringem Datenzugriff eine Renaissance. Die automatischen Speicherkarusselle von Storagetek haben hier einen Weltruf.

Neben der Speichertechnik würde Sun mit der Übernahme auch von der Vertriebsmannschaft von Storagetek gewinnen. Das Unternehmen hat derzeit etwa 7000 Mitarbeiter an Bord, von denen Technikern und Verkäufer offensichtlich gefragt sind. Der Merger könnte also von den technischen Herausforderungen her gesehen gelingen.

Manager im Silicon Valley bezweifeln aber, dass der noch junge „Patriarch“ Scott McNealy mit seinem Weltbild der Computerindustrie die Übernahme erfolgreich über die Bühne bringt. Er ist wie der ehemalige Chef von Digital Equipment, Ken Olsen, als „Büchsenmacher“, als zu hardwareorientiert verschrienen. Und Olsen hat bekanntlich Digital Equipment in den Ruin geführt.

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