Kommentar zu Facebook
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Facebook feiert einen beeindruckenden Nutzerrekord – und schweigt über die Probleme mit rassistischer Hetze. Doch Einfluss bedeutet Verantwortung. Es ist Zeit für eine öffentliche Debatte. Melde dich, Mark!
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Waren Sie am Montag auf Facebook? Es spricht viel dafür: Das soziale Netzwerk hat jetzt vermeldet, dass erstmals mehr als eine Milliarde Mitglieder online waren, also grob geschätzt jeder dritte Internetnutzer auf der Welt. Die beeindruckende Zahl unterstreicht, wie bedeutend Facebook innerhalb weniger Jahre geworden ist. Gründer und Chef Mark Zuckerberg gebührt dafür Respekt, dass er aus einem Zeitvertreib für College-Studenten eine globale Kommunikationsplattform aufgebaut hat.

Großer Einfluss bedeutet aber auch große Verantwortung. Wer Menschen in aller Welt eine Stimme gibt, muss eingreifen, wenn sie allzu schiefe Töne anschlagen – ob in fremdenfeindlichen Kommentaren oder brutalen Enthauptungsvideos. Doch während das Unternehmen die Rekordmarke feiert, druckst es herum, wenn es um derartige Probleme geht. Es wird Zeit für eine offenere Diskussion.

Am Montag haben Sie vielleicht ein Foto aus dem Urlaub hochgeladen oder einem Freund zum Geburtstag gratuliert. Vielleicht haben Sie auch einen Artikel des Handelsblatts über die Panik an den Börsen empfohlen und über Tipps für Geldanleger diskutiert. Oder Sie haben sich auf der Seite einer Flüchtlingsinitiative erkundigt, wo sie Kleiderspenden abgeben können. Das Netz ist ein Ort der Hilfe.

Facebook gebe „jeder Person eine Stimme“ und fördere das Verständnis, schreibt Zuckerberg. Der erste Teil der Aussage stimmt, der zweite aber nur halb. Vielleicht haben Sie sich am Montag auch an einer Diskussion über die Flüchtlingskrise beteiligt. Und nur den Kopf darüber geschüttelt, was Nutzer öffentlich schreiben, mit vollem Namen und Profilfoto. Etwa, dass Flüchtlinge die Kinder vom Spielplatz entführen. Oder dass man sie besser erschossen hätte – „spart Steuergelder“. Das Netz ist auch ein Ort des Hasses.

Facebook kann nichts für das Denken der Nutzer, die Plattform ist ein Spiegelbild unserer Welt mit all ihren Konflikten – genauso übrigens wie Twitter und Youtube. Die Unternehmen stehen aber in der Verantwortung, Gewalt und Hetze zu unterbinden. Im Moment drängt sich der Eindruck auf, dass Facebook mit der schieren Masse überfordert ist. Man muss nicht lange suchen, um hasserfüllte Kommentare zu finden.

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  • Möge sich die gutmenschliche Empörungswelle an der Realität der wesentlich freieren US-amerikanischen Blog-Sphäre brechen. Die Beschränktheit der Diskussion in Deutschland wird schnell deutlich, wenn man sich außerhalb des Landes bewegt.
    Was nicht sein darf, soll in Deutschland zensiert werden oder wird mit dümmlichen Stigmata versehen wie "Hass", "Pack", "Dunkeldeutschland". Dümmliche Radiomoderatoren wie Joko sind aus der Masse heraus mutig. Nichts macht jeden anstrengungsloser zum Helden, als "gegen Rechts" zu sein. Welch Mut! Dümmliches Geschwätz ersetzt beim Gutmenschen gekonnte Auseinandersetzung mit dem Thema. Das macht aber eine Demokratie aus. Niederschreien/Zensieren ist das Kennzeichen von Diktaturen. Der Gutmensch zetert und übersieht bei seinem Getöse das Totalversagen der Regierung und der EU in der Flüchtlingsfrage.

  • Die Unternehmen stehen aber in der Verantwortung, Gewalt und Hetze zu unterbinden. Im Moment drängt sich der Eindruck auf, dass Facebook mit der schieren Masse überfordert ist. Man muss nicht lange suchen, um hasserfüllte Kommentare zu finden.

    Was heißt hier Gewalt und Hetze? - Wie soll Facebook Gewalt verhindern, Meinungsäußerungen sind per se schon mal keine Gewalt.
    Und Gewalt und Hetze gegen Deutsche, gegen europäische Migranten und gegen Andersdenkende wird doch toleriert. Und die Rede ist von wirklicher Gewal - nicht nur jene Wortform.
    Die Bezeichnung Gabriels von Gegnern der Asylpolitik als "Pack", das man "wegsperren" müsse, ist nichts anderes als übelste und niederträchtigste Hetze.

  • In Deutschland entnimmt der gebildete Leser traditionell den Medien die Meinung des Systems die er dann frei verkünden darf. So gibt es dann eine Einheitsmeinung. Abweichende Ansichten werden diskriminiert, die Autoren sanktioniert.

    Eine wahrheitsgetreue Darstellung der Ereignisse ist verpönt wenn es um Ideologie/Religion geht (Lügenpresse), Beispiel Phantasieberichterstaatung zum Klimaschwindel, Kernenergie, Einwanderung, WKII, Feminismus.....

    Facebook hat seine Wurzeln in den USA. In den USA bedeutet Meinungsfreiheit die Freiheit unterschiedliche Meinungen zu äussern. Die Wirklichkeitsnähe ist auch dort nicht immer gegeben, allerdings gibt es unterschiedliche Positionen und man kann sich daraus mit etwas Mühe die Wirklichkeit zusammenbasteln.

    Man kann hoffen, dass Facebook dem Zensurdruck widersteht.

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