Kommentar zu Handy-Kosten
Wir werden die Roaming-Gebühren nicht los

Die Roaming-Gebühren in der EU sollen Mitte 2017 auslaufen. Doch das ist nur eine gute Nachricht für Urlauber. Geschäftsreisende können beim mobilen Telefonieren und Surfen weiter zu Kasse gebeten werden. Ein Kommentar.
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EU-Digitalkommissar Günther Oettinger feiert das Ende der Roaming-Gebühren in der Europäischen Union, die Mitte 2017 fallen sollen, auf Twitter als „Durchbruch“. Dabei ist es eigentlich nur ein Kompromiss.

16 Stunden vor seinem Tweet hatte Oettinger an gleicher Stelle noch verkündet, er sei zuversichtlich, dass man einen Konsens finden würde und Roaming in Europa für immer loswürde. Doch loswerden sieht anders aus. Der deutsche Kommissar und seine Kollegen bei der EU in Brüssel werden das wahrscheinlich sogar mit am meisten merken: Denn keine Roaming-Gebühren werden wohl nur die nicht mehr zahlen müssen, die ab und an im Ausland sind. Bei Vielreisenden hingegen dürfen die Anbieter Einschränkungen machen. Wie genau die aussehen sollen, muss von der EU-Kommission noch erarbeitet werden.

Damit haben die Politiker zwar einen Weg gefunden, das „permanente Roaming“ zu umgehen: Eine Sim-Karte im Ausland zu kaufen, mit der man zu deutlich niedrigeren Preisen telefonieren kann, und sie dann im Heimatland zu benutzen, soll so unterbunden werden.

Die Preise für mobiles Telefonieren und Surfen unterscheiden sich in Europa stark von Land zu Land. Hätten sich die Vertreter der Mitgliedsstaaten und das Europaparlament nicht zu dieser Deckelung der Nutzung im Ausland entschlossen, wären innerhalb kürzester Zeit in vielen Ländern die Preise wahrscheinlich stark ins Wanken geraten.

Doch so ist das „Ende“ der Roaming-Gebühren mehr ein politisches Geschenk zur Sommerzeit an die Mobilfunkkunden als eine große europäische Geste. Denn diejenigen, die wirklich Europa als einen Wirtschaftsraum nutzen, etwa Handel zwischen den Ländern betreiben und dementsprechend viel reisen, haben wahrscheinlich nicht viel davon.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte

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