Kommentar zum Konzernumbau
Die Trennung ist eine große Chance für Google

Googles Strukturreform steht für eine Zeitenwende im Silicon Valley. Der Internetgigant vermisst sich neu. Trotzdem sollten verrückte Ideen ein Teil des Geschäftsprinzip bleiben. Ein Kommentar.
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Seit in Palo Alto jene ersten Zeilen Code über die Rechner liefen, mit denen in den 70er Jahren der Kult um die Computer begann, treibt die Gründer in Silicon Valley eine paradoxe Angst um. Zwar gehört der „Elevator Pitch“, wie die berühmte Präsentation der eigenen Person und Idee innerhalb 60 Sekunden heißt, inzwischen zum Smalltalk. Aber eigentlich fürchtet sich die Szene vorm eigenen Erfolg.

Solange die Firma klein ist, herrscht Pioniergeist vor den Desktops und Innovation in der Entwicklerstube. Je mehr das Unternehmen wächst, desto unübersichtlicher wird die Lage. Möglicherweise erregt das eigene Treiben sogar die öffentliche Meinung.

Google kennt das Problem. Wie alle im Valley steht der Suchmaschinen-Anbieter deshalb vor der großen Frage, wie er jung und hungrig bleibt – bei einem Jahresumsatz von 66 Milliarden Dollar – und innovativ wie ein Start-up – mit mehr als 57.000 Mitarbeitern weltweit.

Die Gründer Larry Page und Sergey Brin haben sich zu einem radikalen Schritt entschlossen. Google, für Millionen Menschen das Tor zur Online-Welt, vermisst sich neu. Die Strukturreform, die Trennung in zwei Bereiche, die größte in der 18-jährigen Konzerngeschichte, kommt genau im richtigen Moment. Sie ist ein Warnsignal an die ganze Technologiebranche. Too big to fail? Eben nicht. Die Gesetze der Old Economy lassen sich nur bedingt auf die Netzwirtschaft anwenden.

Immer wieder hat die digitale Revolution selbst die Schwergewichte einfach weg geboxt. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass IBM vor drei Jahrzehnten für den jungen Angreifer Steve Jobs von Apple geradezu unangreifbar erschien?

Trennung als Chance – mit diesem Motto folgt Google dem Vorbild anderer Branchengrößen. Der Technologie-Konzern Hewlett-Packard will die eigene Aufspaltung bis Oktober abgeschlossen haben. Der Bezahldienst Paypal startete nach dem Abschied von Ebay mit Kursgewinnen an der Börse. Google trennt das Kerngeschäft mit Suchmaschine und Anzeigen von allem, was – überspitzt ausgedrückt – auf der „grünen Wiese“ spielt. In jüngster Zeit hatte sich Mountain View zunehmend verzettelt.

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Die Nerds vertrauen den stillen Managern

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