Kommentar zur Apple Watch: Apple wird zur Modemarke

Kommentar zur Apple Watch
Apple wird zur Modemarke

Die Funktionen der Apple Watch beeindrucken nicht besonders – doch darauf kommt es auch gar nicht so sehr an: Mit dem Design inszeniert sich der Konzern als Modemarke. Ein technisches Problem muss er trotzdem angehen.
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DüsseldorfDie Witze ließen nicht lange auf sich warten. „Ein erster Blick auf die Apple Watch“, twitterte etwa das Satiremagazin „The Poke“ – und zeigte das Symbol für einen leeren Akku. Hintergrund des Witzes: Die neue Computeruhr, die der iKonzern am Montag präsentiert hat, muss nach 18 Stunden wieder an die Steckdose. Wer einen sehr langen Tag hat, blickt abends womöglich auf ein schwarzes Display.

Es ist nicht nur der Akku. Technisch beeindruckt die Apple Watch auf den ersten Blick nicht besonders. Die meisten Funktionen hat man bereits bei anderen Herstellern gesehen (oder auf dem Smartphone). Da gibt es einen Fitness-Trainer, der Aktivitäten misst und zu mehr Bewegung motiviert, vibrierende Hinweise auf Anrufe, SMS und Facebook-Nachrichten oder Breaking News von CNN, zumeist eingespielt vom Smartphone. Kolportierte Funktionen wie ein Herzinfarkt-Warner bietet die aktuelle Version nicht.

Doch wer nur auf das Datenblatt guckt, übersieht etwas Entscheidendes: Die Uhr ist nicht nur ein Stück Technik, sondern Mode.

Die Entwicklung hat sich schon länger abgezeichnet. Nach dem Tod des Apple-Übervaters Steve Jobs hat Chefdesigner Jony Ive eine herausgehobene Position eingenommen. Sein Einfluss ist bei der Apple Watch nicht zu übersehen: Sie soll ein Schmuckstück sein, ein modisches Statement. Deswegen gibt es so viele Varianten, deswegen gibt es künftig in den Apple Stores eigene Uhrenvitrinen. Und deswegen hat der Konzern mit Angela Ahrendts eine erfahrene Managerin aus der Modebranche engagiert. So wird Apple selbst zur Modemarke.

Schmuck entzieht sich indes der direkten Vergleichbarkeit. Natürlich lässt sich der Goldgehalt messen, oder die Kosten für die elektronischen Komponenten im Inneren. Aber ob ein Modeartikel 350 Euro aufwärts wert ist, darüber lässt sich streiten. Das gilt erst recht für einen Luxusartikel wie die Gold-Edition, für die wohlhabende Käufer 11.000 Euro aufwärts hinblättern müssen.

Es gibt genügend Menschen, die sich regelmäßig teure Handtaschen kaufen oder in der ersten Klasse über den Atlantik fliegen. Viele werden sich auch den Luxus einer schicken Uhr mit schwachem Akku gönnen. Und wenn sie das nötige Kleingeld investieren wollen, werden sie vermutlich nicht zu den Geräten von LG, Samsung oder Huawei greifen, sondern zur Apple Watch. Auch die Hersteller von Lifestyle-Uhren müssen sich vor der Konkurrenz fürchten. Ob das Chronometer aus Kalifornien auch den Schweizer Luxusfabrikaten von Hublot und Rolex Konkurrenz macht, ist indes fraglich. Deren Präzisionstechnik ist nicht zuletzt eine Geldanlage.

Wie groß die neue Mode- und Luxussparte von Apple wird, lässt sich derzeit indes kaum abschätzen. Je nach Prognose verkauft der Konzern in diesem Jahr zwischen 8 und 15 Millionen Geräten, allein schon wegen der vielen Apple-Aficionados – sollten die Analysten nicht allzu weit danebenliegen, dürften am Ende ein paar Milliarden Dollar Umsatz in der Bilanz stehen. Aus seiner Abhängigkeit vom Bestseller iPhone befreit die Uhr den Konzern somit nicht, schon weil das Gerät nur in Verbindung mit einem Smartphone funktioniert.

Ob Apple breite Käuferschichten begeistern und gar die Uhrenbranche umkrempeln kann, hängt von zwei Dingen ab. Zum einen muss der Konzern genauer erklären, welchen Nutzen das Gerät hat. Einige vielversprechende Ideen waren bereits zu sehen, dank der loyalen Entwicklergemeinde dürften bald mehr hinzukommen – die Apps könnten das Gerät zum Allzweckwerkzeug machen, wie es beim Smartphone bereits geschehen ist. Zum anderen muss der Konzern an der Technik arbeiten und die Akkulaufzeit verbessern. Schon, damit die Witze aufhören.

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