Kompromiss im letzten Moment gescheitert
Clickandbuy im Führungsvakuum

Hausverbote, uniformierte Wachmänner mit Anwaltsunterstützung an den Eingängen, geheime Verwaltungsratssitzungen, mündlich einberufene Betriebsversammlungen: die Schlammschlacht um den Online-Zahlungsdienstleister Clickandbuy nimmt immer groteskere Züge an. Ein Übergangschef im „Beraterstatus“ soll jetzt mit einem Rumpfvorstand die Geschäfte führen.

DÜSSELDORF. Der eigentliche Vorstandschef Norbert Stangl ist „freigestellt“, heißt es. Abgelöst werden kann er gegen seinen Willen aber nicht, sagt er selber und will gegen die „Rebellen“ unter Führung der Kapitalanlagegesellschaft 3i gerichtlich vorgehen, nachdem ein letzter Kompromissversuch zu Wochenbeginn gescheitert war.

So hatte Stangl sich das garantiert nicht vorgestellt, als er die Mehrheit seines Unternehmens an mehrere Risikokapitalgeber abgegeben hatte. Als er am Dienstag die Geschäftsräume von Clickandbuy in Köln betreten wollte, stellten sich ihm unvermittelt uniformierte Wachleute der Sicherheitsfirma Kötter, verstärkt durch mehrere Rechtsanwälte, entgegen und wollten dem Vorstandsvorsitzenden und Verwaltungsratschef der schweizerischen Muttergesellschaft Firstgate unter Polizeiandrohung den Zutritt verweigern.

Drinnen fand eine eilig einberufene Betriebsversammlung statt, auf der der Belegschaft seine „Freistellung“ mitgeteilt wurde. Gleichzeitig wurde Jan Kantowski, bekannter Sanierer und Übergangs-Manager der Beratungsfirma Alix Partners, als „Berater“ und eine Art neuer Chef präsentiert. Das war zuvor auf einem Treffen von Verwaltungsratsmitgliedern der Muttergesellschaft Firstgate Holding im Hotel Eden Wolff in der Münchener Arnulfstraße beschlossen worden. Eine Sitzung, zu der der Stangl nicht eingeladen war.

Die Situation ist restlos verfahren. Das Tischtuch zwischen Stangl, Gründer, CEO und Hauptaktionär des Onlinebezahldienstes, und den Geldgebern ist endgültig zerschnitten. Das Problem ist eine clevere Vertragsgestaltung durch Stangl beim Verkauf seiner Anteile, die in einer Klausel eine Ablösung als CEO gegen seinen Willen bis maximal 2015 ausschließt und ihm als Aktionär ein Vetorecht bei einer Neubesetzung einräumt. Deshalb blieb den mit der Geschäftsentwicklung unzufriedenen neuen Anteilseignern jetzt nur der Weg über eine sogenannte „Freistellung“ von Stangl, die juristisch haltbar sein könnte. So jedenfalls die Hoffnung.

Dazu kam ein zweiter Kunstgriff: nach Stangls „Freistellung“ wurde sein Posten als Vorstandschef bewusst nicht neu besetzt. In einer schwammig formulierten Presseerklärung wird nur von der eilends eingesetzten Frankfurter PR-Agentur CNC verkündet, Kantowski „solle“ nach einer „anfänglichen Beraterphase“ Interim-Geschäftsführer werden. Eine Beraterphase die im schlimmsten Falle Jahre dauern könnte. Mehrere Anläufe, einen neuen Vorstandschef gemeinsam mit Stangl zu finden, waren zuvor gescheitert, heißt es in Unternehmenskreisen.

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