Konjunkturpakete
IBM finanziert Kunden

Der IT-Konzern IBM will von den Konjunkturpaketen in Asien und Europa profitieren und Projekten mit Konjunkturwirkung eine Brückenfinanzierung anbieten. Rund drei Milliarden Dollar hat der IT-Riese dafür bereit gestellt. Experten halten die private Konfunkturspritze für einen geschickten Schachzug.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der amerikanische IT-Riese IBM will mit einem Finanzierungspaket seine Chancen bei den Konjukturprogrammen in Asien und Europa verbessern. Das Unternehmen stellt für diese Regionen drei Milliarden Dollar (2,2 Mrd. Euro) bereit. Das Geld ist als Brückenfinanzierung für Projekte gedacht, die als Konjunkturspritze geplant sind. Voraussetzung ist, dass der Konzern einen Großteil der Technik oder Dienstleistung liefert. Die Initiative soll heute vorgestellt werden.

Ein ähnliches Paket hat IBM bereits in den USA aufgesetzt. Seit Ende April stehen dort zwei Mrd. Dollar bereit. „Von dem neuen Programm wird Europa mit einem Volumen von zwei Milliarden Dollar stärker profitieren als die Asien-Pazifik-Region“, sagt IBM-Deutschlandchef Martin Jetter.

„Das ist ein geschickter Schachzug von IBM“, glaubt Gartner-Analyst Frank Ridder. Mit dem Angebot könnte das Unternehmen frühzeitig einen Fuß in interessante Projekte bekommen. Der Vorteil für die Kunden: Sie könnten sofort mit den Projekten beginnen und müssten nicht warten, bis das Geld aus den öffentlichen Kassen fließe. Firmen sollten sich jedoch die Kreditkonditionen und damit die Risikoverteilung ganz genau anschauen, empfiehlt Ridder.

Die Initiative belegt, dass die IT-Konzerne in der Krise hart um jeden Auftrag kämpfen müssen. Nach Berechnungen von Gartner werden die weltweiten IT-Ausgaben in diesem Jahr um 3,8 Prozent sinken. Initiativen wie die von IBM sind letztlich eine Art der Absatzfinanzierung.

Auch Microsoft unterstützt seine Kunden und Partner in der Krise. Dabei steht Microsoft-Deutschlandchef Achim Berg simplen Prämien für den Kauf von Produkten skeptisch gegenüber: „Mit einer punktuellen Abwrackprämie für IT ist kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht geholfen. Denn die haben zurzeit vor allem Probleme, strategische IT-Projekte umzusetzen.“ Microsoft bietet neben zeitlich befristeten Preisnachlässen und Mietlösungen über das Internet auch die Finanzierung kompletter Projekte an. Für letzteres hat Microsoft sein Kreditbudget in diesem Jahr um 60 Prozent auf über 1,2 Milliarden Dollar aufgestockt.

Hewlett-Packard wiederum bietet Null-Prozent-Finanzierungen für die Kunden und die Partner. Direkte staatliche Hilfe für IT-Vorhaben beurteilt HP-Deutschlandchef Volker Smid dagegen skeptisch: „Die staatlichen Konjunkturhilfen sollten vor allem der Verbesserung der Infrastruktur und der Bildung dienen und somit nachhaltig sein. Wünschenswert ist hier zum Beispiel eine bessere Ausstattung der Schulen mit Informationstechnologie.“

Ob bei IBM auch deutsche Projekte in den Genuss einer Förderung kommen, ist offen. Das hänge nicht zuletzt von der Finanzierungsstruktur der Projekte ab, sagte Gartner-Experte Ridder. Neben Investitionen in ein flächendeckendes Breitbandnetz hat die Bundesregierung beschlossen, mit 500 Mio. Euro die Informations- und Kommunikationstechnik in den Verwaltungen zu modernisieren. Das ist zwar ein Spezialgebiet von IBM, die Finanzierung ist hier aber eine eher nachrangige Hürde.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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