Konkurrent Eutelsat wirft Luxemburgern Marktabschottung vor
RTL und Co. für ein paar Euro

Europas größter Satellitenbetreiber SES Astra will ab Ende des Jahres bisher frei empfangbare Fernsehsender verschlüsseln und dafür eine monatliche Gebühr von maximal fünf Euro verlangen.

DÜSSELDORF. „Wir werden über 100 Mill. Euro in den Aufbau einer digitalen Plattform investieren“, sagte Ferdinand Kayser, Vorstandschef des Luxemburger Satellitenkonzerns, dem Handelsblatt. Kayser führt mit Fernsehkonzernen wie Pro Sieben Sat 1 und RTL Gespräche über eine Verschlüsselung ihrer bisher gratis zu empfangenden Programme.

Bei den Fernsehkonzernen rennt Astra offene Türen ein. „Wir sehen nur Nutzen bei einer solchen Plattform“, sagte eine Sprecherin der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1. „Verschlüsselung ist eine Option für uns“, sagte auch ein RTL-Sprecher in Köln. Mit dem neuen Angebot von Astra können die Sender neue digitale Bezahlsender und Zusatzdienste anbieten. Auch hochauflösendes Fernsehen (HDTV) ist möglich. RTL arbeitet bereits seit Monaten an neuen Bezahlkanälen und Spartenangeboten wie einem interaktiven Spielekanal. Sowohl RTL-Chef Gerhard Zeiler als auch Pro Sieben Sat 1-CEO Guillaume de Posch hatten in der Vergangenheit angekündigt, ins Pay-TV-Geschäft einzusteigen.

Für das digitale Bezahlfernsehen von Astra braucht der Zuschauer eine Satellitenschüssel, ein Empfangsgerät (Decoder/Set-Top-Box) und eine Zugangskarte (Smartcard). Nach seiner Anmeldung muss er für das digitale Zusatzangebot eine zusätzliche monatliche Gebühr entrichten. „Wie hoch die Gebühren ausfallen wird, ist noch nicht entschieden. Sie wird aber unter fünf Euro monatlich liegen“, sagte Kayser, früher selbst Chef des Bezahlsenders Premiere.

Der Konkurrent Eutelsat, weltweit die Nummer drei im Satellitengeschäft, wirft Astra Marktabschottung vor. Nach Informationen aus Branchenkreisen hat der französische Satellitenbetreiber beim Kartellamt ein Missbrauchsverfahren gegen Astra angeregt. Die Wettbewerbsbehörde untersucht jetzt, ob Astra zusammen mit RTL und Pro Sieben Sat 1 andere Wettbewerber diskriminiert. „Es gibt einen Anfangsverdacht, dass Spezifikationen in den Empfangsgeräten zu einer Marktabschottung führen könnten“, sagte eine Kartellamtssprecherin in Bonn.

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