Konkurrenten befürchten Nachteile für mittelständische Druckereien
Widerstand gegen Tiefdruck-Fusion wächst

In Deutschland regt sich zunehmend Widerstand gegen die geplante Tiefdruck-Fusion des Medienriesen Bertelsmann und des Printkonzerns Springer („Bild“ „Welt“). Die TSB Tiefdruck Schwann-Bagel, Mönchengladbach, sowie Kreise des Freudenstädter Druckriesen Schlott Sebaldus haben vor der EU-Kommission Bedenken geäußert.

DÜSSELDORF/HAMBURG. „Wir haben Vorbehalte zum Ausdruck gebracht“, sagte TSB-Geschäftsführer Udo Bogner gestern dem Handelsblatt. Schlott Sebaldus will sich nicht hierzu äußern.

Wie das Handelsblatt aus Kreisen von TSB und Schlott Sebaldus erfahren hat, befürchten die beiden Firmen durch die Fusion eine erhebliche Verengung auf dem deutschen Tiefdruckmarkt. Dadurch würden vor allem mittelständisch orientierte Unternehmen wirtschaftlich unter Druck geraten. Für TSB ist zudem unverständlich, dass der neue Tiefdruckgigant bei seiner Anmeldung bei der EU-Kommission den Markt für Rollenoffset und Tiefdruck gemeinsam betrachtet. Dies sei nicht akzeptabel, heißt es in Mönchengladbach. Damit wollen Bertelsmann und Springer erreichen, dass ihr Marktanteil geringer ausfällt. Die TSB gehört zum fünftgrößten, verlagsunabhängigen Tiefdruckunternehmen in Deutschland. Es beschäftigt rund 1 400 Mitarbeiter an vier Standorten. Davon sind 1 200 im Tiefdruckbereich tätig.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der Hamburger Verleger Heinz Bauer kritisch zur geplanten Fusion der Tiefdruckereien geäußert. Der Chef der Verlagsgruppe Bauer („Bravo“, „Fernsehwoche“) geht davon aus, dass die EU-Kommission die Verschmelzung der Druckereien genehmigen wird. Doch es sei fraglich, ob die Brüsseler Wettbewerbsbehörde bei der kartellrechtlichen Prüfung den relevanten Markt betrachte. Denn die Genehmigung ist laut Bauer im wesentlichen davon abhängig, „wie groß die EU-Kommission das Marktumfeld definiert“, sagte Bauer.

Unterdessen verzögert sich die Prüfung des Tiefdruckriesens um zwei Wochen. Das Bundeskartellamt habe einen Antrag in Brüssel gestellt, die Prüfung nach Bonn zu verweisen, sagte der Sprecher von EU- Wettbewerbskommissarin Neeli Kroes. Falls die Unternehmen hauptsächlich nur in einem EU-Land tätig sind, kann auf Antrag auch die nationale Kartellbehörde entscheiden. Ursprünglich sollte die EU-Kommission bis zum 9. Dezember über den neuen Konzern entschieden haben. Wenn jedoch ein nationales Kartellamt einen Rückverweisungsantrag stellt, verlängert sich die Prüffrist automatisch um zwei Wochen. Das geplante Joint Venture des Printhauses Springer und der beiden Bertelsmann-Töchter Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“, Brigitte“) und Arvato für Tiefdruck wurde am 4. November zur EU-Fusionskontrolle angemeldet.

Die Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh gab gestern angesichts der verlängerten Prüfungsfrist betont gelassen. „Es gibt keine Sorgenfalten“, sagte ein Insider. Bei Bertelsmann wurde offenbar erwartet, dass sich das Kartellamt noch einschaltet. Offiziell wollte sich Europas größter Medienkonzern nicht äußern. Sollten die Wettbewerbshüter grünes Licht geben, würde der mächtigste Druckkonzern Europas mit 5 000 Beschäftigten in Ahrensburg, Darmstadt, Dresden, Itzehoe und Nürnberg entstehen.

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