Konkurrenz für Apple Musik aus dem Internet – kostenlos und legal

Der große Angriff kündigt sich leise an: In immer kürzeren Abständen wird berichtet, Google baue eine eigene Musikplattform. Geplant ist angeblich ein Streaming-Angebot, bei der die Nutzer unbegrenzt und kostenlos Musik nach Wunsch hören können. Dabei gibt es solche Angebote heute schon ganz legal.
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Deutsche Band "Wir sind Helden": Legale Musik im Netz wird für Künstler eine immer wichtigere Einnahmequelle. Quelle: Gerald von Foris/EMI

Deutsche Band "Wir sind Helden": Legale Musik im Netz wird für Künstler eine immer wichtigere Einnahmequelle.

DÜSSELDORF. In Deutschland kämpfen 40 legale Musikangebote gegen den Weltmarktführer Apple um Nutzer, in den USA sind es nur 18. Es geht um den Kampf der Modelle: der Verkauf von einzelnen Titeln gegen Flatrates, kostenlose gegen Bezahlangebote und die beste Einbindung in soziale Netze. Um 40 Prozent auf 70 Mio. Euro sind die digitalen Umsätze der Musikbranche in Deutschland im ersten Halbjahr 2010 nach Verbandsangaben gestiegen – stärker als im schwachen weltweiten Trend.

Im Einstein-Palais in der Berliner Friedrichstraße drängt die Zeit. Von hier aus verhandeln die Gründer der Musikplattform Simfy mit Plattenfirmen und den Rechteverwertern von der Gema. Seit Mai ist das neue Angebot des jungen Unternehmens online: Über sechs Mio. Musiktitel stehen zum Streaming bereit. 300 000 Nutzer können sie kostenlos hören – mit Werbeunterbrechungen. Ein einstelliger Prozentsatz davon zahlt im Monat zehn Euro, bekommt dafür mehr Titel, keine Werbung, und die Möglichkeit, die Musik auf Smartphones zu laden.

„Wir glauben, dass wir mit unserem Produkt die kritische Masse aufbauen können, bevor die großen Anbieter mit Streaming-Angeboten nach Deutschland kommen“, sagt Simfy-Gründer Steffen Wicker. Dazu will er die Nutzer in eine Community einbinden, deren Funktionen weit über die Vernetzungsmöglichkeiten hinausgehen, die Apple erst seit vergangener Woche in seinem Download-Shop iTunes anbietet. „Bei iTunes wird das schnell an Reiz verlieren, weil sich Nutzer die Titel nicht ganz anhören können, ohne sie gleich zu kaufen“, sagt Wicker. Für zwei bis drei große Streaming-Angebote sieht er Platz auf dem Markt.

Pate bei der Idee steht die sehr ähnliche skandinavische Plattform Spotify, der Wicker im deutschsprachigen Raum und weiteren europäischen Ländern zuvorkommen will. Schließlich müssen für jedes Land neue Verträge mit Plattenchefs, kleinen Labels und Verwertern ausgehandelt werden. Das erschwert den Markteintritt – und verschafft Simfy in Deutschland Zeit. So laufen nach Auskunft der Gema noch keine Gespräche mit Google oder Apple über Streaming. „Wenn es solche Modelle gibt, lizenzieren wir diese“, sagt aber eine Gema-Sprecherin.

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