Konkurrenz kritisiert den Bonner Riesen
Telekom bekommt mehr Wettbewerb im Ortsnetz

Josef Brauner sieht keinen Grund für Panikmache. Der Festnetzchef der Deutschen Telekom rechnet trotz der weiteren Öffnung des Ortsnetzes mit keinen großen Einbußen für den Marktführer.

HB/dpa BONN. Die von ihm geführte T-Com, die größte Tochterfirma der Deutschen Telekom und der derzeit einzige Gewinnbringer des Konzerns, soll auch künftig ein gutes Geschäft machen. Doch die Konkurrenten sitzen Brauner und seinem Team im Nacken.

Denn ab diesem Mittwoch ist der Markt im Telefonortsnetz vollständig geöffnet: Nach dem Start der freien Betreiberauswahl vor drei Monaten (Call-by-Call) sind dann auch Telefonkunden, die im Fernbereich schon fest über einen neuen Anbieter telefonieren (Pre-Selection), im Ortsnetz nicht mehr auf den Bonner Riesen angewiesen. Da sie auf einen Anbieter eingestellt sind oder sich einstellen lassen können, entfällt auch das Wählen der Betreiberkennziffer bei jedem Telefonat.

„Der Erfolg des Wettbewerbs hängt entscheidend davon ab, ob es uns gelingt, die Dienstleistungen einfach und ohne Verzögerungen kundenfreundlich und kostengünstig anzubieten“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten VATM, Jürgen Grützner. Zahlreiche Kunden wollen nach Angaben des Verbandes möglichst schnell auch im Ortsnetz über ihre Telefongesellschaft telefonieren.

Telekom nimmt sich mit Freischaltung Zeit

Doch die Telekom nimmt sich mit der Freischaltung Zeit. Knatsch mit dem Bonner Riesen ist programmiert. Der Konzern verzögere die Einführung erheblich, moniert Arcor-Vorstandschef Harald Stöber. „Mit dieser Praxis wird der Wettbewerb im Ortsnetz massiv behindert“. Die Umstellung von einigen Tausend Arcor-Kunden pro Arbeitstag soll die Telekom zugesagt haben - viel zu wenig, heißt es bei Arcor.

Mit 2,5 Mill. Pre-Selection-Kunden sind die Frankfurter der Marktführer in diesem Bereich. 350 000 Kunden haben sich nach Arcor- Angaben für die Erweiterung der Pre-Selection-Einstellung auf Ortsgespräche registrieren lassen. Die Telekom selber nannte eine Zahl von 15 000 Kunden, die täglich umgestellt werden könnten. In einem Interview mit der „Financial Times Deutschland“ versprach Brauner vor wenigen Tagen: „Sollte es zu Engpässen kommen, können wir noch aufstocken“.

Die Zusagen der Telekom hält der Vize-Präsident von Tele2, Roman Schwarz, für völlig unzureichend. Schließlich wisse die Telekom seit Herbst vergangenen Jahres, dass sie Pre-Selection im Ortsnetz anbieten müsse. Allein die Umstellung der 450 000 Tele2-Kunden würde ein halbes Jahr dauern. „Diese Verzögerungen sind in höchstem Maße verbraucherunfreundlich und gefährden den Wettbewerb in der Branche, kritisiert Schwarz.

Der Deutsche Verband für Post und Telekommunikation appellierte an die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, darauf zu achten, dass die Telekom nicht durch die Hintertür eine weitere Liberalisierung behindere. Geschäftskunden erwarteten eine rasche Umsetzung ihrer Umstellungsaufträge.

Rund fünf Mill. Kunden wollen die Konkurrenten der Telekom abspenstig machen. Was den Neulingen im Fernbereich in den vergangenen Jahren gelang, nämlich einen Marktanteil von 30 % und mehr zu ergattern, gilt im Ortsbereich nach Einschätzung von Branchenkennern als unrealistisch. Denn die Gewinnmargen sind längst nicht mehr so üppig, wie einst im Fernbereich.

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