Konkurrenz zu ARD und ZDF
Max Schautzer gründet Senioren-Sender

Der ehemalige ARD-Entertainer Max Schautzer hat für sich seine Zielgruppe identifiziert. Der Moderator will im nächsten Jahr mit einem neuen Sender für Zuschauer ab 50 Jahren in Deutschland auf Sendung gehen, sagte der 66-Jährige dem Handelsblatt exklusiv. Mit dem digitalen Sender könnte Schautzer bei seinem Publikum jedoch technische Schwierigkeiten haben.

DÜSSELDORF. Der ehemalige ARD-Entertainer Max Schautzer gründet den ersten Fernsehsender für Zuschauer ab 50 Jahren in Deutschland. Der Kanal „Bono TV“ soll im nächsten Jahr auf Sendung gehen. „Noch gibt es keinen Fernsehsender für die Zielgruppe ab 50“, sagte der gebürtige Österreicher. „Natürlich bedienen ARD und ZDF ältere Zielgruppen. Doch im Gegensatz zu uns dürfen sie nach 20 Uhr keine Werbespots mehr senden“, sagt Schautzer über seine ehemaligen Arbeitgeber.

Eineinhalb Jahre hat der ehemalige Moderator der beliebten ARD-Sendung „Pleiten, Pech & Pannen“ gearbeitet. Schautzer wird 40 Prozent an „Bono TV“ halten. Der Business-Plan steht. Der digitale Kanal wird über den Satelliten Astra verbreitet. Außerdem laufen Gespräche mit Kabelkonzernen über eine Einspeisung. Die ARD steht Schautzers Projekt skeptisch gegenüber. „Das ist ein hartes Geschäft. Gerade ältere Menschen haben noch analogen Empfang."

„Bei einem Vollprogramm gehen wir von jährlichen Kosten in Höhe von 50 Mill. Euro aus“, sagt Schautzers Mitgesellschafter Sven Eggert. Der 48-jährige Düsseldorfer Unternehmer, der sich mit 20 Prozent an dem TV-Abenteuer beteiligt, betreibt eine Werbeagenturgruppe mit 50 Mitarbeitern und einem Umsatz von 35 Mill. Euro. Mit von der Partie als Gesellschafter sind auch Josef Goehlen, ein früherer Manager der Kirch-Gruppe und späterer ZDF-Serienchef sowie der 37jährige Medienforscher Jens Ochel. Der Sender wird mit einem täglich zwölfstündigen Programm starten, das ab 23 Uhr wiederholt wird.

Über den Standort sei noch nicht entschieden, sagt Schautzer. Düsseldorf, Köln, München und Berlin sind im Gespräch. Der Kapitalbedarf beläuft sich nach Unternehmensangaben in den ersten beiden Jahren auf rund 70 Mill. Euro. „Die Gewinnzone erreichen wir in drei bis vier Jahren“, ist sich Schautzer sicher. Im ersten Jahr will er in der Zielgruppe der über 50-Jährigen ein Prozent Marktanteil erreichen. In fünf Jahren soll der Marktanteil bei 3,5 Prozent liegen.

Das Gros der Einnahmen soll aus klassischer Werbung und Sponsoring von Programmen kommen. In der Werbebranche kommt Schautzers Kanal bereits vor dem Sendebeginn gut an. „Die Zielgruppe 50 plus hat heutzutage das Mehrfache des Einkommens einer vierköpfigen Familie zur Verfügung und ist somit durchaus relevant für die Werbung treibende Wirtschaft. In der Vergangenheit ist es den Medien allerdings nicht gelungen, für dieses Altersprofil vorteilhafte Vermarktungskonzepte zu entwickeln“, sagte gestern Michael Bohn, Vorstandschef der Mediaagenturgruppe Zenith Optimedia. In Deutschland gibt es rund 30 Millionen Menschen über 50 Jahre.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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