Konkurrenzdruck
Telekom muss Festnetz noch weiter öffnen

Der Griff der Telekom um ihr einstiges Monopol lockert sich immer mehr: War es bislang dem Marktführer vorbehalten, auch in ländlichen Regionen Telefon- und Internetanschlüsse anzubieten, öffnet ein Beschluss der EU-Komission nun auch die dortigen Netze für Mitanbieter. Während die Telekom mit den Zähnen knirscht, frohlockt die Konkurrenz.

DÜSSELDORF. Für die Deutsche Telekom wird der Wettbewerb im ohnehin umkämpften deutschen Festnetz 2008 noch härter. Spätestens ab dem Frühjahr muss der Marktführer seinen Wettbewerbern einen weitreichenderen Zugang zu seinem Netz erlauben. Damit bleibt der Kampf um Kunden nicht wie bisher vorrangig auf die Großstädte beschränkt, sondern weitet sich auf ländliche Regionen aus.

Dort konnte die Telekom bislang ihr Monopol bei Telefon- und Internetanschlüssen aufrecht erhalten. Ihre Konkurrenten waren nur Wiederverkäufer ohne eigene Infrastruktur. „Auch elf Jahre nach der Marktöffnung haben 40 Prozent der Bevölkerung keine andere Wahl, als einen Anschluss der Telekom zu benutzen“, sagt Jan Geldmacher, Chef der Deutschland-Tochter von British Telecom, dem Handelsblatt.

Doch das wird sich bald ändern. Möglich macht das eine neue Bestimmung, die der deutsche Regulierer auf Druck der EU-Kommission festsetzen wird. Im Fachjargon nennt sich das Konstrukt „Bitstream Acces“. Es sieht vor, dass die Wettbewerber der Telekom größere Strecken aus dem Netz des Bonner Konzerns nutzen können als bisher. Das bedeutet, die Rivalen müssen im ersten Schritt weniger in den Ausbau ihres eigenen Netzes investieren, können dieses durch zusätzliche Kunden auf dem Land aber besser auslasten.

Bislang war es so, dass die Telekom-Rivalen ihre eigenen Leitungen in einem weit verzweigten System bis in die Städte legen mussten. Erst ab dort konnten sie das Netz der Telekom mieten. Der Ex-Monopolist ist der einzige Anbieter, der Telefongespräche und Datenverkehr auf den letzten Metern bis in die Wohnzimmer der Kunden transportiert.

In ganz Deutschland stehen insgesamt gut 8 000 so genannte Hauptverteiler, wo Verkehr aus den Netzen der Konkurrenten auf das der Telekom übergeht. Mit der neuen Regelung aber übergeben die Wettbewerbern den Verkehr schon deutlich früher an die Telekom. 73 Übergabepunkte zwischen den Netzen in ganz Deutschland reichen aus, um die gesamte Bevölkerung abzudecken.

Was nach technischer Finesse klingt, hat weitreichende Folgen: Bislang haben die Infrastruktur-Wettbewerber ihr Angebot auf die Großstädte beschränkt, weil nur dort die Aussicht bestand, genügend Kunden zu gewinnen, um die Ausbaukosten für das eigene Netz decken zu können. Nun aber nutzen sie in weiten Teilen das Telekom-Netz auch außerhalb der Metropolen. Anders als die reinen Wiederverkäufer der Telekom-Kapazitäten sind die Konkurrenten des Bonner Konzerns nicht darauf angewiesen, nur die Produkte der Telekom anzubieten, sondern haben einen größeren Einfluss auf die Ausgestaltung. So können sie unter anderem die Bandbreite von DSL-Zugängen variieren.

Damit erstürmen die Herausforderer das letzte Netz-Monopol des Ex-Monopolisten. „Das ist ein Paradigmenwechsel“, schwärmt Geldmacher. British Telecom hat inzwischen ebenso wie andere Wettbewerber bei der Bundesnetzagentur den Zugang zum Bitstream-Access eingefordert. Der Regulierer muss nun sicherstellten, dass dies spätestens im Frühjahr soweit ist. „Mit Bitstream-Access fördern wir auch den Wettbewerb auf dem Land“, sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Die Telekom hält das Produkt eigentlich für überflüssig und verweist auf das Modell der Wiederverkäufer, das es in kaum einem anderen Land gibt.

Doch auch die gehen ihr von der Leine: United Internet und Freenet, die bislang unter eigenen Namen Telekom-Anschlüsse verkauft haben, nutzen jetzt die Netze von Telefónica und QSC und bieten so eigene Festnetzanschlüsse an.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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