Konkurs angemeldet
Adcon kann nicht mehr zahlen

Der österreichische Hersteller von digitalen Funkübertragungssystemen Adcon Telemetry AG musste am Montag Konkursantrag stellen. Gründe dafür seien sehr hohe Altlasten und eine weitere Verschlechterung des Geschäftsverlaufs.

HB WIEN. „Es ist ganz klar zu sagen, dass die Sanierung zu spät begonnen wurde,“ sagte Adcon-Vorstand Felix Primetzhofer am Montagnachmittag zu Reuters. Primetzhofer wurde Mitte Juni 2003 zur Umsetzung der Restrukturierungsschritte zum neuen Alleinvorstand ernannt.

Den ursprünglichen Plan, 2004 den operativen Turnaround zu schaffen, könne das seit längerem angeschlagene Unternehmen wegen neu aufgetretener Umstände nicht aufrecht erhalten.

Dass der Klosterneuburger Hersteller von digitalen Funkübertragungssystemen einen Konkursantrag stellen musste, begründete Primetzhofer mit einer Patronatserklärung für die französische Adcon-Tochter Adcon RF Technology, die nicht bezifferbare Risken bringen könnte.

Weiters sei mit eklatanten Planabweichungen im US-Geschäft und hohen Lagerständen bei den Zwischenhändlern, die den Ausblick für 2003 und 2004 substanziell verschlechterten, mit auslaufenden Rahmenverträgen ohne Aussicht auf Verlängerung bzw. Neugeschäft sowie mit drohenden Rechtsstreitigkeiten mit Auslandsfirmen zu rechnen, so Primetzhofer.

Nach Angaben von Primetzhofer sei eine Fortführung des Unternehmen auch nach der Insolvenzanmeldung möglich. „Der Telemetry-Markt ist interessant, auch für Investoren sehr interessant. Ich halte eine Fortführung auf jeden Fall für möglich“, sagte Primetzhofer. In welcher Form könne er derzeit aber noch nicht sagen. „Es gibt jetzt einmal mehrere Möglichkeiten, z.B. einen Zwangsausgleich“, so Primetzhofer.

Adcon waren 2002 aufgrund von Umsatzeinbußen und teuren Altlasten in die roten Zahlen gerutscht. Der Jahresfehlbetrag hatte sich 2002 bei einem Konzernumsatz von 15,0 (16,0) Mill. € auf 12,4 (minus 2,4) Mill. € belaufen.

Aufwendungen aus Altlasten in den Geschäftsfeldern Anwendungen und Technologie inklusive dem gegenüber den Vorjahren unterschiedlichen Bewertungsansatz auf aktivierte latente Steuern hatten das Nachsteuerergebnis in Summe mit 8,2 Mill. € belastet, teilte Adcon bei der Bekanntgabe der endgültigen Zahlen für 2002 mit.

Auch das Ergebnis der ersten Habljahres 2003 hatte keine Trendwende gebracht. Bei einem Umsatz von 4,61 (7,55) Mill. € sei ein Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Amortisation von minus 5,77 (minus 1,23) Mill. € und ein Betriebsergebnis (EBIT) von minus 22,83 (minus 3,01) Mill. € ausgewiesen worden.

Der Umsatzrückgang, Sanierungskosten von 3,49 Mill. €, Wertberichtigungen auf Lagerbestände in Höhe von 1,29 Mill. € sowie weitere Sanierungskosten in Höhe von 1,24 Mill. € hätten sich im EBITDA niedergeschlagen. Das EBIT war mit Firmenwertberichtigungen und hohen Abschreibungen belastet gewesen. Die Firmenwertabschreibungen im Zuge des Management Buy Outs bei einer niederländischen Tochter sowie die Firmenwertabschreibungen bei einer französischen Tochter bezifferte Adcon in der Aussendung von Anfang August mit 13,67 Mill. €.

Bei der Veröffentlichung der Zahlen zum Halbjahr hieß es noch, dass der Großteil der laufenden Sanierungsmaßnahmen zu Ende des dritten Quartals abgeschlossen werden und dass mit einer Verbesserung der Kostenstruktur zu rechnen sei. Das geplante Umsatzziel 2003 hatte Adcon immer weiter nach unten angesetzt und zuletzt mit rund 8,0 Mill. € beziffert. Der heutige Konkursantrag erfolgte unmittelbar vor einem eigentlich geplanten Zeichnungsbeginn für eine neuerliche Wandelanleihe, die dem Unternehmen dringend nötige Finanzmittel zuführen sollen.

Anfang September hätte eine Wandelanleihe im Nominale von bis zu zwei Mill. € unter Ausschluss der Bezugsrechte für Altaktionäre aufgelegt werden sollen.

Die AT&S Austria Technologie & Systemtechnik, die knapp fünf Prozent hält, zeigte sich vom Konkurs „überrascht“. Man sei nicht informiert gewesen, sagte deren Sprecher. Adcon gaben nach der Bekanntgabe des Konkursantrages knapp 57 % auf 0,20 (0,46) Euro nach. Seit Jahresanfang haben die Aktien somit 83 % an Wert eingebüßt.

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