Konsolidierung im Halbleitermarkt kommt in Gang
STM erwägt Verkauf der Speicherchipsparte

Der französisch-italienische Halbleiterhersteller ST Microelectronics (STM) schließt einen Verkauf des unprofitablen Speicherchipgeschäfts nicht mehr aus. Man denke über „alle möglichen Optionen“ nach, sagte STM-Chef Carlo Bozotti auf einer Investorenkonferenz in New York.

sfu DÜSSELDORF. Noch im vergangenen Monat hatte Bozotti einen Verkauf der Sparte abgelehnt. Dies hat sich offenbar geändert. Bozotti folgte im März auf den langjährigen STM-Vorstandschef Pasquale Pistorio und baut das Unternehmen um. „Es gibt Gebiete, auf die wir uns jetzt stärker konzentrieren als früher“, hatte er bereits bei Vorlage der Quartalsbilanz im April angekündigt.

Der gesamten Branche bereitet vor allem das Geschäft mit Flash-Speicherchips Probleme. Sie werden zum Beispiel in Digitalkameras und mobile Musikabspielgeräte eingebaut. Auf Grund des Überangebots im Markt sinken die Preise. ST Microelectronics erwirtschaftete im ersten Quartal 2005 mit dem Geschäftsfeld Speicherprodukte einen operativen Verlust von 62 Mill. US-Dollar. Konkurrent AMD musste im Speichergeschäft ein Minus von 110 Mill. Dollar verkraften.

Auch die Chipkonjunktur insgesamt schwächt sich nach einem kurzen Boom wieder ab. Die Marktforscher der Gartner Group rechnen damit, dass der weltweite Halbleitermarkt im Jahr 2005 nur noch um knapp sechs Prozent zulegt. Im vergangenen Jahr waren es noch über 23 Prozent. „Die Unternehmen reagieren heute sehr viel früher auf diese Branchenzyklen“, sagt Gartner-Analyst Andrew Norwood. Die Entlassungen bei ST Microelectronics seien als Vorbereitung auf schwächere Märkte zu sehen.

Setzen alle Halbleiterhersteller weniger um, könnte auch die Konsolidierung der Branche stärker in Gang kommen. Rund 40 Prozent der weltweit knapp 600 Halbleiterhersteller, schätzt Gartner-Experte Norwood, werden in den nächsten zehn Jahren vom Markt verschwinden. Umgekehrt können größere Hersteller die hohen Forschungs- und Produktionskosten auf Dauer nur schultern, wenn sie auf Größe setzen. Details zu den Plänen für das Speicherchipgeschäft nannte STM allerdings nicht.

Bereits vorgestern hatte ST Microelectronics jedoch bekannt gegeben, 3 000 Stellen streichen zu wollen. Betroffen sind alle Niederlassungen außerhalb der Boomregionen Asiens. Durch die Entlassungen und andere Restrukturierungsmaßnahmen will das Unternehmen pro Jahr 90 Mill. Dollar einsparen. Erst einmal kostet das Projekt aber zwischen 100 und 130 Mill. Dollar. Komplett verloren geht nur die Hälfte der 3 000 Arbeitsplätze. Etwa 1 500 Jobs wandern nach Asien.

Auch die deutsche Infineon will künftig noch stärker in Asien investieren. Dafür will der weltweit viertgrößte Halbleiterhersteller die Produktion in München aufgeben. Der Kurs von Infineon ist umstritten. Auch bei ST Microelectronics reagierten die Märkte kritisch. Es sei gut, dass das Unternehmen aktiv werde, aber damit sei der Turnaround noch lange nicht erreicht, sagte ein französischer Analyst.

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