Konzern bestätigt Einstieg
Samsung hilft Sharp aus der Patsche

Der Elektronikkonzern Samsung steigt beim maroden Konkurrenten Sharp ein. Damit könnten die Südkoreaner einen Keil zwischen die Partnerschaft zwischen Sharp und dem Erzrivalen Apple treiben.
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TokioSamsung greift dem schwächelnden japanischen Elektronik-Konzern Sharp unter die Arme. Der südkoreanische Apple-Herausforderer steigt mit gut drei Prozent ein, wie Sharp am Mittwoch mitteilte. Samsung zahlt laut offiziellen Dokumenten des japanischen Finanzministeriums 290 Yen pro Aktie. Das sind 15 Prozent unter dem Kurs, zu dem das Papier am Mittwoch aus dem Handel ging. Der Verkauf des Anteils bringt Sharp knapp 10,4 Milliarden Yen (rund 85 Millionen Euro) ein. Sharp bestätigte damit einen gleichlautenden Bericht der die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei vom Vorabend.

Die Japaner revanchieren sich nach Angaben von Samsung dafür mit der Lieferung von Bildschirmen. Die Koreaner wollen sich trotz der Beteiligung nicht in da Management des Unternehmens einmischen. Im Herbst hatte Sharp gewarnt, dass die desolate Finanzlage den Fortbestand des Unternehmens gefährde. Seitdem hat sich die Lage vor allem dank einem schwächeren Kurs des Yen etwas gebessert.

Der Deal könnte weitreichende Folgen haben – auch für Apple und Apples Hauptlieferanten und bisherigen Sharp-Partner Foxconn. Der von hohen Verlusten gebeutelte Hersteller Sharp erhält dringend benötigtes Kapital und kann seine Bildschirmfabrik Kameyama besser auslasten. Samsung wiederum treibt einen Keil in die bisherige Partnerschaft der Japaner mit dem Apple-Reich.

Bisher war Sharp ein wichtiger Lieferant für Apple. Im Weihnachtsquartal profitierte Sharp von der hohen Nachfrage für Apples iPhone5. Aber inzwischen zahlt sich die Partnerschaft immer weniger aus. Im Gegenteil, Industriekreisen zufolge musste das Unternehmen seine Produktion von Bildschirmen für das iPhone5 bereits wieder senken, weil sich Apples Flaggschiff nicht mehr so reißend verkauft.

Gleichzeitig können sich Sharp und Apples Hauptlieferant Foxconn bislang nicht darauf einigen, dass die taiwanesische Firma wie vor einem Jahr geplant die Kooperation durch eine 9,9-prozentige Partnerschaft an Sharp besiegelt. Anfang 2012 hatte Foxconn-Chef Terry Gou sich zuerst in Sharps modernstes Werk für Flüssigkristallbildschirme eingekauft.

Aber den zweiten Teil der Vereinbarung, eine Kapitalspritze für Sharp, setzte Gou nicht um. Denn in den Monaten nach dem Handschlag war Sharps Aktienkurs um 60 Prozent eingebrochen. Die Nachverhandlungen gestalteten sich dermaßen schwierig, dass Sharp seither händeringend andere Partner sucht. Denn dem Unternehmen geht es schlecht.

Für das bis Ende März laufende Bilanzjahr 2012 hat Sharp einen Verlust von 450 Milliarden Yen (fast vier Milliarden Euro) vorausgesagt. Damit würde das Traditionsunternehmen zum zweiten Mal in Folge einen Rekordverlust ausweisen.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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