Konzern gibt Engagement in Südostasien komplett auf
Telekom will neue Sondertarife einführen

Die Deutsche Telekom plant neue Sondertarife für ihre Festnetzkunden. Wie der Konzern am Freitag mitteilte, sollen diese gegen einen monatlichen Aufschlag von 9,22 Euro an Wochenenden und Feiertagen beliebig lange innerhalb von Deutschland im Festnetz telefonieren können.

slo DÜSSELDORF. Bisher ist dies für 7,61 Euro zusätzlich nur an Sonn- und Feiertagen möglich. Ein weiterer Sondertarif sieht pauschal 4,22 Euro für 120 Gesprächsminuten vor.

Die Telekom hat einen entsprechenden Antrag bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post eingereicht. Der Konzern will die neuen Tarife im September oder Oktober einführen – zeitgleich mit höheren Grundgebühren bei analogen Telefonanschlüssen, die voraussichtlich im Juli beantragt werden. Der Preis für einen Standardanschluss kann dann von derzeit 13,72 Euro pro Monat auf mehr als 15 Euro steigen.

Mit den Sondertarifen reagiert die Telekom auf neue Dienste der Konkurrenten, die ab 9. Juli für mehr Wettbewerb im Ortsnetz sorgen sollen. Telekom-Kunden können dann dauerhaft für Lokalverbindungen zu einem Konkurrenten wechseln (Preselection). Bereits seit Ende April können sie bei Telefonaten im Ortsnetz den günstigsten Anbieter über eine Vorwahl wählen (Call-by-Call).

Die Regulierungsbehörde wird bis Anfang September über die Gebühren-Pläne entscheiden. Nach Angaben aus der Branche gibt es Bedenken gegen den Pauschaltarif an Wochenenden und Feiertagen. Die Telekom-Konkurrenten stufen ihn als Dumpingangebot ein, das zusätzlichen Druck auf ihre ohnehin geringen Gewinnmargen ausüben werde. „Mit solchen Sondertarifen macht sich die Telekom weniger anfällig für den Wettbewerb“, bestätigt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. Den bisherigen Pauschaltarif, der nur an Sonn- und Feiertagen gilt, hat der Regulierer bis Ende September 2004 genehmigt. Drei Millionen Kunden nutzen die Tarifoption.

Der ehemalige Monopolist beherrscht den Festnetzmarkt in Deutschland. Auf ihn entfallen 70 % des Umsatzes mit Telekommunikationsdiensten im Festnetz.

Dieser Bereich ist der größte Umsatz- und Gewinnbringer der Telekom, gilt derzeit aber auch als große Baustelle. Konzernchef Kai-Uwe Ricke will die Sparte profitabler machen. Das bessere Ergebnis soll dem Schuldenabbau zu Gute kommen. Ende März hatte die Telekom Verbindlichkeiten von 56,3 Mrd. Euro, Ende dieses Jahres sollen sie bei etwa 50 Mrd. Euro liegen.

Zu einem besseren Ergebnis der Festnetzsparte werden nach Ansicht von Analysten bereits die höheren Anschlüssgebühren beitragen. Diese müssen steigen, da sie nach Angaben des Regulierers derzeit im Schnitt um 1,40 Euro pro Anschluss und Monat unter den Kosten liegen. Um dieses Defizit jetzt schon auszugleichen und Gesetzesauflagen zu erfüllen, hatte die Behörde der Telekom ursprünglich erlaubt, Anbietern von Call-by-Call im Ortsnetz zwischenzeitlich einen Aufschlag auf den regulären Nutzungspreis für Telekom-Leitungen in Rechnung zu stellen. Diese Entscheidung hat das Verwaltungsgericht Köln jedoch am Freitag gestoppt.

Die Telekom hat am Freitag zudem einen weiteren Schritt zum Schuldenabbau angekündigt: Es will seinen Anteil an dem philippinischen Mobilfunker Globe Telecom verkaufen und hat ihn den Mitgesellschaftern Singtel und Ayala Corp. angeboten. Das Aktienpaket von 24,8 % hatte am Vortag einen Marktwert von 425 Mill. $. Mit dem Verkauf würde die Telekom ihr Engagement in Südostasien beenden. Der Konzern trennte sich bereits von seinen Beteiligungen in Malaysia und Indonesien.

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