Konzern greift durch
Siemens plant Klage gegen Ex-Finanzchef

Nach der Einigung mit Ex-Chef Heinrich von Pierer auf einen Vergleich in der Schmiergeldaffäre geht der Siemens-Konzern nun mit aller Härte gegen die zahlungsunwilligen Ex-Vorstände Heinz-Joachim Neubürger und Thomas Ganswindt vor. Noch vor der Hauptversammlung im Januar werde gegen sie Klage eingereicht, erfuhr das Handelsblatt am Mittwoch aus Konzernkreisen.
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MÜNCHEN. Der ehemalige Finanzchef Neubürger erklärte, es sei gut, dass nun ein unabhängiges Gericht die Vorwürfe gegen die alte Führung überprüfe. Der Siemens-Aufsichtsrat stimmte am Mittwoch den Vergleichen mit Pierer und einer Reihe von weiteren Ex-Vorständen zu. Insgesamt wollen die neun Manager fast 20 Mio. Euro an den Konzern zahlen. Das Unternehmen verzichtet im Gegenzug auf eine Klage gegen sie. Pierer begründete sein Einlenken mit „existenzbedrohenden Prozess- und Kostenrisiken“. Eine Verwicklung in die Korruptionsaffäre wies er entschieden zurück.

Pierer muss mit fünf Mio. Euro die größte Summe berappen. Damit zahlen er und die anderen Ex-Manager zwar empfindliche Summen. Verglichen mit dem Gesamtschaden durch die Affäre, den Siemens auf weit mehr als zwei Mrd. Euro beziffert, handelt es sich aber um eher symbolische Beträge. Die Hauptversammlung Ende Januar muss den Vergleichen noch zustimmen.

Bei dem Aktionärstreffen werde Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sicher nicht vor die Aktionäre treten wollen, ohne etwas gegen die zahlungsunwilligen Ex-Vorstände unternommen zu haben, hieß es im Umfeld von Siemens. Daher werde bald geklagt. Neubürger erklärte, der Vorwurf der Verletzung von Aufsichtspflichten sei nach seiner Einschätzung ungerechtfertigt. Auch im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen ihn seien anfänglich gegen ihn erhobene Vorwürfe „zum Teil nicht wiederholt, im Übrigen weder konkretisiert noch belegt worden“.

Nach der gestrigen Aufsichtsratssitzung meldete sich auch Pierer erstmals mit einer öffentlichen Stellungnahme. Er wolle sich selbst und dem Unternehmen, für das er 38 Jahre gearbeitet habe und dessen Wohl ihm weiter am Herzen liege, einen jahrelangen Rechtsstreit ersparen. Zudem habe sein Umfeld unter der dreijährigen Auseinandersetzung gelitten.

Ein Bedauern über die Affäre äußerte Pierer in seiner Stellungnahme nicht. In seinem Umfeld wurde betont, dass er dies bereits mehrmals getan habe. Zudem habe sich Pierer bereits zu einer „unternehmenspolitischen Verantwortung“ für den Schmiergeldskandal bekannt.

Mit der Einigung sprangen nun beide Seiten über ihren Schatten. Siemens hatte im Fall Pierer lange auf die Zahlung von sechs Mio. Euro beharrt. Zwischenzeitlich sei in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, dass sich die Auseinandersetzung zu einem „Duell unter Männern“ – zwischen Pierer und Cromme – entwickele, hieß es am Mittwoch im Umfeld der Kapitalseite des Aufsichtsrat. Es gehe aber nicht um Egos, sondern um das Wohl des Konzerns. Daher sei es richtig, dass Cromme durch die Reduzierung der Summe einen kleinen Schritt auf Pierer zugegangen sei.

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