Konzern setzt auf Tastbildschirme
Börse feiert Baldas Europa-Abschied

Der Handyausrüster Balda gibt seine Produktion in Europa weitgehend auf. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone geraten war, folgt damit seinen Kunden nach Asien. Die verbliebenen europäischen Werke sollen verkauft werden. Großaktionäre des Unternehmens applaudieren.

HB DÜSSELDORF. Der westfälische Handyausrüster Balda kommt den Aufspaltungswünschen seiner Großanleger entgegen. Der Balda-Vorstandsvorsitzende Joachim Gut hat angekündigt, die Produktion von Gehäusen für Mobiltelefone in Europa aufzugeben und die Sparte Balda Solutions Europa möglichst noch 2007 zu verkaufen. Interessenten seien bereits vorhanden. Die Sparte setzt mit 500 Mitarbeitern in Bad Oeynhausen und 400 Mitarbeitern in Ungarn rund 30 Mill. Euro im Jahr um.

„Die Zukunft von Balda liegt in Asien, dort produzieren die wichtigen Hersteller von Mobiltelefonen“, sagt Joachim Gut. Balda sei mit seiner Tochterfirma TPK, die berührungsempfindliche Bildschirme (Touch-Screens) herstellt, bereits gut in Kundennähe aufgestellt. Auch die Gehäuseproduktion sei mit einer Fabrik in Malaysia und zwei Fabriken in China bestens ausgelastet. Bei Beobachtern kam der angekündigte Verkauf der deutschen Werke gut an. „Der Schritt ist folgerichtig nach der erkennbaren Schwäche des Bereichs im Halbjahr“, sagte ein WestLB-Analyst. Auch Großaktionäre von Balda begrüßen die Konzentration auf Asien. „Balda macht das, was wir vorgeschlagen haben, nur rückwärts“, sagt Guy Wyser-Pratte, der mehr als fünf Prozent der Balda-Aktien besitzt. Der US-Investor hatte gefordert, die chinesische Tochter TPK von Balda abzuspalten und gesondert an die Börse zu bringen, weil ihr Wert im SDax nicht hinreichend gewürdigt würde. TPK allein sei mehr wert, als Balda als Ganzes.

Nach dem Verkauf der Gehäusegeschäfts bleibt Balda nur noch mit seiner Medizinsparte in Europa. Sie setzt rund 25 Mill. Euro um. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes werden künftig außerhalb von Europa erwirtschaftet. Balda bestätigte, dass sich nun die Frage stelle, ob Balda im deutschen SDax noch richtig aufgehoben sei. Als Alternativen sind die US-Börse Nasdaq oder vergleichbare asiatische Börse im Gespräch. Klar sei, dass die Konzernholding mit 48 Stellen in Bad Oeynhausen verkleinert werden müsse. Ein Balda-Sprecher sagte, bereits am Montag würden entsprechende Gespräche mit den Mitarbeitern aufgenommen.

Im vergangenen Jahr erlöste Balda mit weltweit 8500 Mitarbeitern 371 Mill. Euro und verbuchte einen Verlust von 42 Mill. Euro. Da die großen Mobiltelefonunternehmen inzwischen ihre Fertigung nach Asien verlagert haben, war Baldas Europa-Geschäft in den vergangenen Monaten eingebrochen. Zuletzt machte der Bereich nur noch ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. Er werde auch im dritten und vierten Quartal 200rote Zahlen schreiben, so Balda. Das Unternehmen hatte sich bereits 2006 von Firmenteilen und damit von 1000 seiner 1600 Mitarbeiter in Deutschland getrennt. Der Zulieferer reagierte damit unter anderem auf die Pleite seines Kunden BenQ Mobile. Erst im vergangenen Jahr war Balda in das Touchscreen-Geschäft eingestiegen und hatte zu Jahresbeginn mit dem neuen Handy iPhone von Apple den ersten Großauftrag in dem Bereich an Land gezogen.

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