Konzern steigert Umsatz stärker als erwartet – Expansion im Ausland kommt voran
Internet-Dienste und Mobilfunk beleben Telecom Italia

Das florierende Geschäft mit schnellen Internet-Diensten und der wachsende Mobilfunkmarkt in Brasilien hat den Umsatz von Telecom Italia im ersten Halbjahr stärker erhöht als Analysten erwartet hatten. Das geht aus den vorläufigen Ergebnissen hervor, die der italienische Telekom-Konzern am Dienstag veröffentlicht hat.

HB/kk MAILAND. Die endgültigen Ergebnisse für das erste Halbjahr veröffentlicht das Unternehmen am 8. September. Beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieb Telecom Italia leicht hinter den Erwartungen zurück. Das Netto-Ergebnis gab das Unternehmen noch nicht bekannt.

Zum ersten Mal sind in den Zahlen von Telecom Italia auch die Zahlen der Mobilfunk-Tochter Telecom Italia Mobile (TIM) enthalten. Der Umsatz von TIM stieg um mehr als zehn Prozent, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte knapp neun Prozent zu. Damit wächst die Mobilfunksparte deutlich schneller als das Festnetzgeschäft. Dort steigerte das Unternehmen den Umsatz gerade einmal um 2,1 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2004. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg um weniger als ein Prozent.

Ebenso wie die Deutsche Telekom hat auch der italienische Ex-Monopolist die Mobilfunktochter zum 30. Juni dieses Jahres wieder eingegliedert. Diese Verschmelzung soll die Kosten bis 2007 um etwa 1,5 Mrd. Euro senken. Zunächst hat der Rückkauf jedoch rund 20 Mrd. Euro gekostet. Die Schulden des Konzerns betrugen daher Ende Juni noch gut 44 Mrd. Euro, 4,9 Mrd. weniger als noch zu Jahresbeginn. Bis 2007 will der Unternehmenschef Marco Tronchetti Provera den Schuldenstand auf 33 Mrd. Euro drücken. Das entspräche dem Niveau von Ende 2004 nach der neuen internationalen Rechnungslegung.

Gleichzeitig will Tronchetti Provera bis 2007 insgesamt 14 Mrd. Euro investieren. Nicht zuletzt, um auf dem Heimatmarkt vor allem Mobilfunk, Festnetz und Fernsehen über schnelle Internet-Dienste stärker miteinander zu vernetzen. Im Ausland sieht das Management die größten Wachstumschancen in Brasilien und der Türkei. Brasilien steuerte im ersten Halbjahr bereits 1,2 Mrd. Euro zum Umsatz bei.

In der Türkei hat Telecom Italia gemeinsam mit der saudi-arabischen Oger Telecom die Mehrheit der Festnetzgesellschaft Turk Telecom für 6,55 Mrd. Dollar erworben. In Deutschland und Frankreich setzt Telecom Italia vor allem auf DSL-Technik. In Deutschland haben die Italiener 2003 die norddeutsche Hansenet gekauft. Heute gibt es Hansenet unter dem Namen Alice in sechs deutschen Städten.

Mit der Expansion im Ausland will Telecom Italia vor allem das schleppende Festnetzgeschäft auf dem Heimatmarkt ausgleichen. Hier muss sich Tronchetti auch auf einen aggressiven Konkurrenten einstellen: den Ägypter Naguib Sawiris. Mit seiner an der Londoner Börse notierten Orascom Telecom Holding wird er wohl noch in den kommenden Tagen die italienische Telekom-Gesellschaft Wind übernehmen, die sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk aktiv ist. Während der bisherige Wind-Besitzer, der Versorger Enel, die Tochter eher stiefmütterlich geführt hat, fehlt es Sawiris nicht an Ehrgeiz: Er kündigte jüngst an, dass er zur weltweiten Nummer fünf der Mobilfunkbranche aufsteigen will.

So sehen auch Analysten in der Konkurrenz die größte Gefahr für den italienischen Telekommunikations-Konzern. „Das Hauptrisiko, das wir für das Festnetz-Geschäft für Telecom Italia sehen, ist der erhöhte Wettbewerb auf dem italienischen Festnetz-Markt“, schreibt die Investmentbank CSFB in einer Studie. Der stärkste Konkurrent im Mobilfunk-Geschäft bleibt die italienische Tochter der britischen Vodafone. Sie hat im zweiten Quartal ihre Kundenzahl um fast zehn Prozent erhöht und besetzt derzeit mit 22,8 Millionen Telefonierern mehr als ein Drittel des Marktes. Telecom Italia hat am Dienstag keine neuen Kundenzahlen bekannt gegeben. Eine Entscheidung wird alle Mobilfunkanbieter treffen: Die italienische Telekommunikationsaufsicht hat die Anbieter diesen Monat gezwungen, ab September die Preise für Verbindungen vom Handy zum Festnetz um 20 Prozent zu senken. Der Markt nahm die Zahlen positiv auf. Die Aktie lag leicht im Plus.

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