Konzern will sich von der Hauptversammlung eine Erhöhung des Grundkapitals genehmigen lassen
Siemens macht sich stark für Zukäufe

Der Siemens-Konzern will sich weiteren finanziellen Spielraum zur Umschuldung, aber auch für Akquisitionen verschaffen.

mwb MÜNCHEN. Von der Hauptversammlung am 22. Januar 2004 will sich der ohnehin finanzstarke Konzern laut Tagesordnung ermächtigen lassen, bei Bedarf das Grundkapital um 600 Mill. Euro gegen Bar- oder Sacheinlage erhöhen zu können. Dadurch soll die bisherige Regelung von 400 Mill. Euro gegen Bareinlagen und 250 Mill. Euro gegen Sacheinlagen abgelöst werden. Die neue Regelung erhöht den finanziellen Spielraum bei Übernahmen. Bei möglicher Ausgabe von bis zu 200 Mill. Aktien würde nach aktuellem Börsenkurs für Siemens eine Akquisitionswährung von 12,6 Mrd. Euro entstehen. Zudem sollen die Aktionäre den Konzern zur Ausgabe von Wandel- und Optionsschuldverschreibungen im Nennbetrag von 11,25 Mrd. Euro ermächtigen.

Der Konzern will die Maßnahme jedoch nicht als Indiz verstanden wissen, dass er vor unmittelbar vor großen Zukäufen stehe. „Diese Interpretation führt zu weit“, erklärte eine Sprecherin. Der Konzern sei auch ohne die geplanten Maßnahmen finanziell stark genug.für Akquisitionen. Bei der Anleihe wolle der Konzern sich in die Lage versetzen, die derzeit günstigen Zinsen noch besser ausnutzen zu können. Auch eine Umschuldung sei möglich. Siemens hat bereits Anleihen im Nominalwert von 10,43 Mrd. Euro im Markt.

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass Siemens mehr akquiriert“, wiederspricht Analyst Frank Rothauge von Sal-Oppenheim. Wozu sonst soll Siemens mit seinem hohen Cash-flow den zusätzlichen Spielraum brauchen, fragt sich der Analyst. Viele Bereiche hätten die Renditevorgaben erreicht. Nur durch Zukäufe könne sich Siemens weitere Renditemöglichkeiten erschließen.

Konzernchef Heinrich von Pierer hatte zuletzt im Sommer das Industrieturbinengeschäft von Alstom für eine Mrd. Euro übernommen. Auch Teile der Alstom-Verkehrstechnik würden gut zu Siemens passen. Auch im Geschäft mit Mobiltelefonen ist Siemens noch zu klein. Den höchsten Druck für Zukäufe hat nach Einschätzung von Analysten aber SBS, die Sparte für Informationstechnik-Dienstleistungen. In der Branche werden Siemens Begehrlichkeiten beim IT-Unternehmen Atos Origin, nachgesagt. Atos ist durch die Übernahme von Schlumberger Sema gerade zur Nummer vier in der Welt aufgestiegen. Philips hält eine Beteiligung von 32% an Atos, die wohl Konzernchef Gerad Kleisterlee nicht mehr zum Kerngeschäft des niederländischen Konzerns zählt. Auch im Bereich Automotive wäre nach Einschätzung von Analyst Rothauge noch Platz für Zukäufe.

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