Konzernchef Kleinfeld ist auf Strategiesuche
Siemens ringt um die Zukunft der Telekommunikationssparte

Die Telekommunikationssparte des Siemens-Konzerns gerät zunehmend unter Druck. Zwei Drittel der Geschäfte würden derzeit schlecht laufen, warnte der Chef des größten Siemens-Bereichs, Lothar Pauly, jetzt in einer internen Mitarbeiterinformation.

MÜNCHEN. Noch Anfang März hatte der Vertraute von Konzernchef Klaus Kleinfeld Optimismus verbreitet und gesagt: „Sechs der acht Geschäftsgebiete erwirtschaften gute Ergebnisse, vier davon glänzen mit besonders hohen Margen.“

Damit dreht der Wind bei Siemens Com in kurzer Zeit. Die Sparte ist einer der weltweit größten Telekom-Anbieter und erst im vergangenen Jahr aus der Zusammenlegung des Mobilfunk- (ICM) und des Festnetzgeschäftes (ICN) entstanden. Mit einem Jahresumsatz von 18 Mrd. Euro ist es zudem der größte Siemens-Bereich. Kleinfeld selbst hatte den Bereich bis zu seiner Ernennung zum Konzernchef vor drei Monaten verantwortet. Schon seit Anfang 2004 arbeitet er deshalb an einer neuen Strategie für das Sorgenkind.

Das Geschäftsfeld ist in acht Untereinheiten unterteilt. Davon sind nach Paulys Angaben derzeit nur drei, nämlich das Geschäft mit Mobilfunknetzen, Drahtlos-Modulen und Dienstleistungen für Carrier, profitabel. Angeboten wird aber die gesamte Palette von Netzwerkinfrastruktur, Anwendungen, Endgeräten bis zum Service.

Siemens Com machte im abgelaufenen Quartal nicht nur Verlust, auch Umsatz und Auftragseingang gingen zurück. „Es ist ein Drama“, sagte dazu ein Insider. Kleinfeld und Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger hatten bereits in der vergangenen Woche angekündigt, es werde „mit Nachdruck an einer strategischen Neuorientierung“ des Bereichs gearbeitet. Wie diese aussehen könnte, ist derzeit offen. Die Spekulationen reichen von einer weitgehenden Trennung von Siemens Com über Kooperationen bis zu einer Sanierung aus eigener Kraft. Die Arbeitnehmer-Vertreter fürchten bereits, dass in jedem Fall weitere Arbeitsplätze in Gefahr sind.

Kleinfeld drängt darauf, dass Siemens Com bis in spätestens zwei Jahren die Renditeziele – eine Umsatzmarge von 8 bis 11 Prozent – erreichen soll. Dafür stehe er persönlich ein, sagte er. Analysten zweifeln aber daran, ob eine Wende in der derzeitigen Struktur machbar ist. „Wir gehen nicht davon aus, dass es Com gelingen wird, den avisierten Margenkorridor aus eigener Kraft zu erreichen“, meinen die Experten der HVB. Sie gehen davon aus, dass sich Siemens künftig nur auf seine Netzwerkaktivitäten konzentrieren werde, also auf Festnetze und Mobilfunknetze.

Ein erster Schritt des Umbaus erfolgte in der vergangenen Woche: Siemens will das stark defizitäre Handy-Geschäft ausgliedern und verkaufen. Ob und wie schnell ein Interessent gefunden werden kann, ist offen. Kleinfeld machte zumindest Hoffnung auf eine rasche Lösung. Die Aktie konnte aber nicht wie erhofft davon profitieren. Sie verlor in der vergangenen Woche erneut an Wert. Die Unsicherheit ist noch zu groß.

Die Entscheidung ist ein Schwenk. Denn noch im vergangenen Sommer hatten Pauly und Kleinfeld betont, das Handy-Geschäft sei für Siemens und die Strategie bei Siemens Com unverzichtbar. Doch dann brach der Absatz ein, das Geschäft rutschte in tiefrote Zahlen. Das Problem sei ein zu geringes Volumen bei den margenträchtigen Hochpreisgeräten und zu niedrige Preise bei den Billiggeräten, sagte Pauly. Widerspruch kommt nun von den Arbeitnehmern. Siemens müsse am Endgerätegeschäft festhalten, forderte der Chef des Gesamtbetriebsrates, Ralf Heckmann am Freitag: „Um die Wende zu schaffen, ist jetzt das Management gefordert.“ Die Arbeitnehmer dürften „nicht unter die Räder“ kommen.

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