Konzernumbau
Aus Agfa werden drei unabhängige Gesellschaften

Der neue Vorstandsvorschef Jo Cornu will den Traditionskonzern neu aufstellen. Wenn er Erfolg hat, macht er in letzter Konsequenz sogar seinen eigenen Posten überflüssig. doch noch sucht er Investoren und hat mit Gerichtsprozessen zu kämpfen.

FRANKFURT. Die lange Leidensgeschichte der Agfa-Gevaert-Gruppe könnte bald ein Ende haben. Seit gut zwei Monaten ist Jo Cornu Chef der Traditionsmarke mit Sitz in Mortsel, Belgien. Er will das Unternehmen in drei unabhängige Gesellschaften aufteilen. Damit will er zugleich einen Schlussstrich unter die jüngste Vergangenheit ziehen, die Agfa-Gevaert nur noch negative Schlagzeilen eingebracht hatte: Der Verkauf der Foto-Sparte, die Aufgabe der Kameraproduktion, der Abbau von 2 000 Arbeitsplätzen, der Wechsel im Management, Rechtsstreitigkeiten mit dem Agfa-Photo-Käufer und hohe Verluste. Cornu – seit 2002 im Verwaltungsrat von Agfa – ist nun als neuer Mann an der Spitze bemüht, das Unternehmen neu aufzustellen. Seine Aufgabe besteht im Grunde sogar darin, seine eigene Position über kurz oder lang überflüssig zu machen. Für den 63-Jährigen könnte das womöglich die letzte Station seines Arbeitslebens sein; nach Engagements etwa bei Bell Telephone oder Alcatel.

Das Geschäft von Agfa Gevaert (Umsatz 2007: rund 3,3 Mrd. Euro) ist bereits in drei unabhängige Geschäftsbereiche aufgeteilt: Agfa Graphics (50 Prozent Umsatzanteil), Agfa HealthCare (42 Prozent) und Agfa Materials (acht Prozent). Die zwei starken Geschäftsbereiche und der kleinere Nischenbereich mit starker Präsenz in Europa, Nordamerika und Asien (ohne Japan) arbeiten operativ bereits unabhängig. Cornus Aufgabe bleibt es, die drei Gesellschaften in besseres finanzielles Fahrwasser zu bringen, und vor allem die Altlasten, hohe Pensionsverpflichtungen, zu finanzieren.

Auch sind immer noch einige Arbeitsgerichtsprozesse bis hoch zum Bundesarbeitsgericht anhängig. Dabei klagen Ex-Mitarbeiter der Agfa-Photo auf Wiedereinstellung und Ersatzansprüche, weil die Mitarbeiter beim Verkauf der Foto-Abteilung im Jahr 2004 an den Geschäftsmann Hartmut Emans angeblich falsch informiert wurden.

Welcher Weg am Ende beim Übergang in die drei unabhängigen Unternehmen beschritten wird, entscheiden letztlich die Aktionäre. Der Franklin Templeton Fond ist hierbei mit 11,5 Prozent größter Einzelaktionär. Zwei weitere Fonds haten jeweils rund fünf Prozent, einige andere bis zu 2,5 Prozent, der Rest der Anteile ist in Besitz von Kleinaktionären. Diese hatten in den vergangenen drei Jahren wenig Freude an ihrer Beteiligung und verloren fast 70 Prozent. Auch neuere Analysten-Bewertungen etwa von ING-Diba oder UBS empfehlen die Aktie immer noch zum Verkauf. UBS-Analyst Sven Weier hält Übernahmespekulationen auf dem derzeitigen Kursniveau für übertrieben. Die substanzielle Risiken seien noch nicht beseitigt.

Auch Agfa-Gevaert-Chef Jo Cornu räumt ein, dass die derzeitige Lage an den Finanzmärkten ihm die Aufgabe, für das Unternehmen mit 14 100 Mitarbeitern (davon rund 2 000 in Deutschland) potente Investoren zu finden, nicht gerade einfach macht. Daher genießen derzeit die Verbesserung des operativen Geschäfts und weitere Kostensenkungsmaßnahmen erst einmal Priorität.

Ausgebaut wurde zuletzt verstärkt das Health-Care-Geschäft, was auch für das Jahr 2007 wieder zu einem negativen Cashflow führen werde. Aber genau diese Investitionen sollen Umsatz und Ergebnis in den Kerngeschäften deutlich verbessern.

Cornu: „Weltweit nutzt bereits jedes zweite Krankenhaus Produkte, Systeme und Dienstleistungen von Agfa.“ Auch mit seinen Graphics-Angeboten habe Agfa bei den Druckereien bereits eine ähnlich hohe Marktdurchdringung erreicht.

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