Konzernumbau
Software und IT-Dienstleistungen helfen IBM

Der Konzernumbau des IT-Riesens IBM trägt erste Früchte: Auch wenn der Umsatz durch den Verkauf der PC-Sparte deutlich gesunken ist, bleibt der Gewinn auch in der Krise konstant. Im schwierigen Umfeld kann sich der Konzern vor allem mit Software und Dienstleistungen behaupten.

MÜNCHEN. In den vergangenen Jahren hat Samuel Palmisano bei IBM keinen Stein auf dem anderen gelassen. Die PC-Sparte hat er abgestoßen, zahlreiche Werke geschlossen. An Hardware verkauft der Konzern jetzt vor allem Großrechner und Halbleiter. Stattdessen stärkte der Vorstandschef des amerikanischen Traditionsunternehmens das Geschäft mit Software, Beratung und Dienstleistungen durch milliardenschwere Übernahmen. In der Krise zahlt sich der Umbau aus: Trotz eines deutlich gesunkenen Umsatzes blieb der Gewinn im ersten Quartal konstant.

„Unsere langfristige Strategie hilft uns in einem sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld“, sagte Palmisano bei der Vorlage der Quartalsergebnisse. Dies bestätigt ein Blick auf die Zahlen: So brach der Betriebsgewinn der Computersparte um 80 Prozent ein. Software und IT-Dienstleistungen verdienten hingegen zum Jahresauftakt deutlich mehr als im selben Zeitraum 2008 und konnten so den Einbruch bei den Rechnern und Chips ausgleichen.

Insgesamt gingen die Erlöse im ersten Vierteljahr um elf Prozent auf 21,7 Mrd. Dollar zurück. Währungsbereinigt fiel das Minus mit vier Prozent wesentlich geringer aus. Der Gewinn verringerte sich um ein Prozent auf 2,3 Mrd. Dollar.

Die Börse zeigte sich gestern enttäuscht vom starken Umsatzeinbruch. Die IBM-Aktien gaben im frühen Handel in New York um rund ein Prozent auf etwa 99,40 Dollar nach. Im Vergleich zu anderen großen amerikanischen IT-Konzernen sind die Zahlen allerdings passabel. Beim Chip-Weltmarktführer Intel etwa stürzte der Gewinn im ersten Quartal um mehr als die Hälfte ab, die Erlöse rutschten um über ein Viertel.

Angesichts des Umsatzeinbruchs bei Hardware versucht IBM derzeit noch mehr, sein Software- und Servicegeschäft kräftig auszubauen. Dabei haben die Amerikaner momentan vor allem Microsoft im Blick, den größten Softwarehersteller der Welt. IBM bietet Firmen eine kostenlose Beratung an, wie sie ihre Kosten für Microsoft-Lizenzen verringern können. Da viele Mittelständler sparen müssen, stößt das Angebot laut IBM auf großes Interesse.

Das Vorhaben ist mehr als ein Marketing-Gag: So will das Unternehmen einen Fuß in die Türen kleiner und mittlerer Betriebe bekommen, die bislang kaum bei dem Großkonzern einkaufen. „Wir sehen dies als Chance, um neue Kunden zu gewinnen und reden jetzt mit Firmen, bei denen wir so bisher noch nicht waren“, erklärt IBM-Manager Andreas Pleschek. Das Kalkül dabei: „Was die Kunden an Lizenzkosten sparen, haben sie frei für innovative Projekte.“ Diese bietet IBM mit seiner Software an, aber auch im Outsourcing oder im Umbau von Rechenzentren.

IBM hat allen Grund, in die Offensive zu gehen. Schließlich nimmt in der Rechnersparte der Wettbewerb weiter zu. Jüngst hat der Netzwerkausrüster Cisco seinen Einstieg ins Servergeschäft angekündigt. Der Softwarehersteller Oracle ist gerade dabei, Sun zu übernehmen. Sun ist einer der großen Konkurrenten von IBM auf dem Servermarkt.

Palmisano kündigte an, IBM – das ebenfalls an Sun interessiert gewesen war – sehe sich nach Kaufkandidaten um. Der Konzern hat 12,3 Mrd. Dollar in der Kasse. Der freie Cash-Flow im ersten Quartal betrug eine Mrd. Dollar, 450 Mio. mehr als im Vorjahr.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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