
DÜSSELDORF. Super Angebote, super Preise!“ Begeistert schreibt Christina in einem Web-Forum über den Internet-Einkaufsclub Buy VIP. Zwei Designer-Jeans hat sie dort bestellt, bei dem Schnäppchenpreis habe sie nicht widerstehen können, schreibt die Koblenzerin. Und einfacher als bei einer Ebay-Versteigerung lief es auch.
Von dem Erfolg der Einkaufsclubs will jetzt auch der etablierte Online-Marktplatz Ebay profitieren. „In den kommenden Wochen starten wir in Zusammenarbeit mit Buy VIP ein neues Format auf Ebay“, sagte Deutschland-Chef Stephan Zoll dem Handelsblatt.
Der Schritt ist Teil eines Projekts, mit dem sich Ebay neu erfinden will. Der stagnierende Umsatz weltweit und ein Rückgang in Deutschland um 14 Mio. auf 820 Mio. Euro im Jahr 2009 haben den Internet-Oldie wachgerüttelt. Weltweit sank die operative Marge 2009 um gut acht Prozentpunkte auf 17 Prozent. Um professionelle Händler auf die Site zu holen, hatte Ebay zuvor seine Preise gesenkt. Danach ging der Konzern in die Offensive, um sein Image aufzubessern. Inzwischen achtet Ebay mehr auf die Zuverlässigkeit der Verkäufer und bringt sie dazu, die Produktpalette zu erweitern und spezielle Sonderangebote mit Ebay zu bewerben.
Das Unternehmen gilt gerade bei jüngeren Nutzern als verstaubt. „Ebay ist derzeit Nachzügler. Sie greifen viele Modelle erst auf, wenn sie im Markt sind“, sagt Jochen Krisch, Experte für Online-Handel. Amazon sei deutlich innovativer.
Die Kooperation mit Buy VIP soll nun neue Nutzer anlocken – vor allem weibliche. „Die Herausforderung im E-Commerce liegt darin, Frauen anzusprechen“, sagt Berater Krisch. Die Shopping-Clubs, die sich seit einigen Jahren in Deutschland etablieren, treffen bei Schnäppchen-Jägerinnen einen Nerv: 70 Prozent der Nutzer von Buy VIP sind Frauen.
Auf 300 Mio. Euro in diesem Jahr schätzt Krisch den Umsatz der Shopping-Clubs in Deutschland. Drei Jahre später könnten es schon eine halbe Mrd. Euro sein. „Wenn ein etablierter Anbieter wie Amazon, Ebay oder Otto mit so einem Club zusammenarbeitet, könnte das eine Granate werden“, sagt der Kölner Handelsberater Ulrich Eggert.
Kein Wunder, dass Otto den Shopping-Club Limango gegründet hat. Der Einzelhändler Tengelmann hat sich am deutschen Marktführer Brands 4 Friends beteiligt. „Das Unternehmen hat eine tolle Entwicklung in Deutschland und seit kurzem auch in UK und Japan“, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub dem Handelsblatt. Für 2009 meldeten die Berliner 80 Mio. Euro Umsatz, dieses Jahr könnte er sich fast verdoppeln, schätzen Beobachter. Weltweit würden sich Shopping-Clubs als zusätzlicher Vertriebskanal etablieren, ist Haub überzeugt.

Dass Ebay jetzt mitmischt, passt in die Strategie des US-Konzerns. Anders als Konkurrent Amazon handelt er nicht selbst, sondern bietet lediglich eine Plattform für Online-Auktionen und vermehrt auch für professionelle Online-Händler. Die Hälfte der Angebote bei Ebay haben inzwischen feste Preise – wie bei Amazon. Die Strategie zeigt Wirkung: Analysten prognostizieren weltweit bereits wieder deutlich steigende Erlöse.
Modeverkäufe legen deutlich zu
„In den letzten Monaten war der deutsche Umsatztrend sehr positiv“, sagt auch Zoll. Dazu trage besonders der neue Modebereich bei, in den Buy VIP integriert wird – zunächst als Test bis zum Jahresende. In den ersten drei Monaten seit dem Start des neuen Modebereichs im Mai mit professionellen Fotos und Outlet-Angeboten wurde Kleidung für 175 Mio. Euro über Ebay gehandelt – acht Prozent mehr als in den drei Monaten zuvor.
Anschließend plant Zoll, in neue Spezialbereiche vorzustoßen. So sollen Seiten für Heim & Garten sowie Technik hinzukommen, vielleicht auch Gruppen-Rabatte, wie sie etwa die Site Groupon anbietet.
Auch Buy VIP erhofft sich von der Zusammenarbeit zusätzlichen Schwung. Das Unternehmen, 2006 in Spanien gegründet, machte im vergangenen Jahr nur einen kleinen Teil seines Nettoumsatzes von 70 Mio. Euro mit seinen 1,4 Mio. deutschen Nutzern. „Wir haben eines der kompetitivsten Marktumfelder in Deutschland“, sagt Deutschland-Chef Bernhard Steffens. Soll heißen: Allein ist der Kampf gegen die Konkurrenten richtig hart.
Ganz einfach ist die Zusammenarbeit jedoch auch nicht: Eigentlich sollten bereits in dieser Woche die ersten Angebote auf die Site kommen. „Probleme mit dem ersten Angebot“ hätten den Start kurz vor dem geplanten Start verzögert, heißt es bei Ebay. Der Realitätstest startet daher erst in den kommenden Wochen.