Kooperation mit Telekom
Microsoft will die Cloud deutsch machen

Microsoft und die Deutsche Telekom schließen sich zusammen, um das Cloud-Computing in Deutschland voranzutreiben. Die zwei Branchenriesen bilden damit ein Schwergewicht in einem umkämpften Wachstumsbereich.

Düsseldorf/Berlin Vertrauen ist ein wichtiger Schmierstoff. Wenn es fehlt, stottern die Geschäfte. Das wissen große Technologieanbieter wie Microsoft nur zu gut - viele Kunden in Deutschland zögern beim Cloud Computing, weil sie angesichts der NSA-Affäre und zahlreicher Datenpannen um die Sicherheit wichtiger Informationen fürchten.

Deswegen holt der Windows-Konzern nun die Ölkanne heraus: Ab dem zweiten Halbjahr 2016 bietet er in Zusammenarbeit mit der Telekom eine „deutsche Cloud“ an, wie die Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilten. Die Dienste Azure, Office 365 und CRM Online werden künftig aus zwei deutschen Rechenzentren angeboten. Die Telekom-Tochter T-Systems wird dabei als Treuhänder den Zugang überwachen.

Diese Konstruktion gewährleiste, „dass die Kundendaten in Deutschland bleiben“, sagte Microsoft-Chef Satya Nadella - das Unternehmen habe keinen Zugriff darauf. Auch wenn der Manager es so nicht sagte: Microsoft schützt Kunden vor der eigenen Regierung samt Geheimdiensten, um auch Zweifler zu überzeugen. Dafür investiert der Konzern in den nächsten Jahren eine dreistellige Millionensumme. Zumindest ein Teil der Kosten wird auf die Kunden umgelegt: Für diese Absicherung werde ein Zuschlag von durchschnittlich 25 Prozent auf den Normalpreis fällig, erklärte das Unternehmen.

Microsoft reagiert auf verbreitete Bedenken in Deutschland. 44 Prozent der hiesigen Unternehmen setzen Cloud Computing ein, weitere 24 Prozent planen oder diskutieren zumindest den Einsatz. Nach wie vor sehen aber viele Datenschutz und -sicherheit als ein Problem, wie der Cloud-Monitor des Hightech-Branchenverbandes Bitkom zeigt. Daher erwarten 83 Prozent der befragten Verantwortlichen, dass der Cloud-Anbieter seine Rechenzentren ausschließlich in Deutschland betreibt.

Inzwischen könnte die Zahl noch größer sein - erst nach der Erhebung hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) sein Safe-Harbor-Urteil gefällt, das die Datenübertragung in die USA erschwert. Auf Grundlage der Entscheidung stellen Datenschützer auch lange genutzte rechtliche Instrumente wie die EU-Standardvertragsklauseln infrage.

Was den US-Unternehmen Probleme bereitet, ist für die Deutsche Telekom eine Chance. „Die Unsicherheit nach dem Wegfall des Safe-Harbor-Abkommens wirkt sich positiv für uns aus“, sagte Anette Bronder, Leiterin der Digital Division von T-Systems dem Handelsblatt. In ihrer Einheit ist seit einigen Wochen das Cloud-Geschäft aufgehängt. „Wir können internationalen Unternehmen die Möglichkeit bieten, ihren Kunden europäischen Datenschutz zu bieten.“

Dazu hat der Konzern in der Magdeburger Börde ein Rechenzentrum gebaut, in dem die Unternehmen ihre eigenen Server aufstellen oder Geräte mieten können. Zugriff darauf haben danach nur noch Mitarbeiter der Deutschen Telekom. Diese Konstruktion soll verhindern, dass ausländische Behörden auf die Daten zugreifen - Kunden wie Salesforce oder Cisco können sich darauf berufen, dass sie keine Kontrolle darüber haben.

Marktbeobachter halten es allerdings für möglich, dass beispielsweise US-Behörden gerichtlich gegen die Konstruktion von Microsoft und Telekom vorgehen. Um sicher zu sein, dass der Schutz halte, müsse man auf das erste Verfahren warten, erklärte Forrester-Analyst Paul Miller.

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Kunden müssen sich gedulden

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