Korrekter Umgang mit Werbekunden
ARD setzt bei ihrer Werbetochter auf Sauberkeit

Externe Experten sollen auf die Einhaltung von Reklameregeln und Kundenbeziehungen achten. Die öffentlich-rechtliche Sendergruppe reagiert damit auf den Vorwurf mangelnder Transparenz bei der Vermarktung, der vor drei Jahren in einem Schleichwerbeskandal aufgekommen war.

KÖLN. Die ARD-Werbetochter Sales & Services wird künftig von einem externen Compliance-Team kontrolliert. Die öffentlich-rechtliche Sendergruppe reagiert damit auf den Vorwurf mangelnder Transparenz bei der Vermarktung, der vor drei Jahren durch Schleichwerbeskandal aufgekommen war. Die Kontrolleure sollen sicherstellen, dass Reklameregeln künftig eingehalten werden. „Wir brauchen eine externe Prallwand, damit nicht gerechtfertigte Vorwürfe ausgeräumt werden“, sagte Achim Rohnke, Geschäftsführer von ARD Sales & Services, dem Handelsblatt. Dem Compliance-Team gehörten der langjährige ARD-Journalist Ulrich Wickert, die Medienjuristin Renate Damm und der Medienprofessor Norbert Bolz an.

Der Beirat solle auf den korrekten Umgang mit den Werbekunden achten, vor allem darauf, dass die Mitarbeiter von Sales & Services nicht ungerechtfertigte Vergünstigungen – in der Branche beschönigend Incentives genannt – annehmen. Die Idee zu dem Gremium stammt von Werbechef Rohnke, der im Zuge des Schleichwerbungsskandals in die Kritik gekommen war. Der 51-Jährige führt das Unternehmen seit seiner Gründung vor zehn Jahren.

Nicht erst seit dem Schleichwerbungsskandal bei Bavaria Film vor drei Jahren ist die Werbepraxis der Sender umstritten. In den vergangenen Monaten ist die Vermarktung der TV-Sender durch den Ruzicka-Skandal schwer in Verruf geraten. Aleksander Ruzicka, von 1999 bis 2006 Chef der Mediaagentur Aegis, buchte im Auftrag von Markenartiklern Werbung bei Fernsehssendern. Im Gegenzug gewährten sie großzügige Rabatte in Form von Freispots. Diese kostenlosen Werbeminuten soll Ruzicka abgezweigt haben. Insgesamt soll er so 52 Mill. Euro veruntreut haben. „Dass im Milliardenbusiness Media getrickst wird, war irgendwie jedem klar“, kommentiert Markus Werner, geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikations- und Mediaberatung Brain, dem Branchenblatt „Absatzwirtschaft“.

Der Ausgang des Prozess gegen Ruzicka ist offen. Doch ARD-Werbemanager Rohnke ist sich sicher: „Der Mediamarkt wird nach dem Ende des Ruzicka-Prozess anders aussehen.“ Der Skandal zieht immer größere Kreise. Vergangene Woche entließ der Süßigkeitenhersteller Ferrero seinen langjährigen Media-Direktor Herbert Korrell. Motiv sei der dringende Verdacht, dass Korrells Ehefrau im Zusammenhang mit dem Fall Ruzicka Geld erhalten habe, teilte Ferrero mit.

Nicht nur Mediaagenturen sind unter Bestechungsverdacht geraten, auch die Werbetöchter von RTL und Pro Sieben Sat 1. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Pro-Sieben-Sat1-Vorstand Peter Christmann und RTL-Werbechef Martin Krapf.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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