Korruptionsskandal
Mobilfunkkonzerne in Indien zittern

Die indische Regierung wirft einigen Mobilfunkkonzernen, darunter auch die britische Vodafone und Telenor aus Norwegen, vor, mithilfe von Bestechung zu wenig für neue Lizenzen bezahlt zu haben. Den Anbietern drohen Nachforderungen in Milliardenhöhe.
  • 0

NEU-DELHI. Selbst 18 Millionen neue Kunden im Monat können die Mobilfunkbetreiber in Indien nicht mehr aufheitern. Denn die Branche ist zum Schauplatz des womöglich größten Korruptionsskandals des Landes geworden. Die Unternehmen, darunter die britische Vodafone und Telenor aus Norwegen, werden dafür teuer bezahlen müssen.

Regierungsvertreter in Neu-Delhi drohen ihnen Nachforderungen in Milliardenhöhe für ihre Anfang 2008 erworbenen Mobilfunklizenzen an. Das Telekomministerium hatte damals die Frequenzen zu Schleuderpreisen vergeben. Die Ermittlungsbehörden vermuten, dass sich Mitarbeiter des Ministeriums bestechen ließen. Ein Prüfbericht des Rechnungshofs beziffert den Schaden für die Staatskasse auf bis zu 39 Milliarden Dollar.

Die Mobilfunkbetreiber mit den meisten zugeteilten Lizenzen müssten die höchsten Nachzahlungen leisten, kündigten Regierungsvertreter an. Die zusätzlichen Kosten könnten bei einigen Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar betragen. Die Regierung von Ministerpräsident Manmohan Singh steht wegen des Skandals massiv in der Kritik, obwohl Telekomminister Andimuthu Raja inzwischen zurückgetreten ist. Milde kann sich der Regierungschef deshalb nur schwer leisten.

Damit entwickelt sich das frühere Mobilfunk-Eldorado Indien endgültig zu einem der riskantesten Märkte weltweit. Nahezu alle Betreiber warnen, sie könnten die hohen Investitionen wegen des beinharten Wettbewerbs und drastisch gefallener Tarife kaum noch erwirtschaften.

Dem Bericht des Rechnungshofs zufolge zählen zu den größten Profiteuren der Billig-Lizenzen Marktführer Bharti Airtel, Vodafone und Idea, ein Unternehmen des indischen Milliardärs Kumar Mangalam Birla. Sie sollen zusätzliche Frequenzen erhalten haben, obwohl sie nach den Vergaberegeln dazu nicht berechtigt waren.

Seite 1:

Mobilfunkkonzerne in Indien zittern

Seite 2:

Kommentare zu " Korruptionsskandal: Mobilfunkkonzerne in Indien zittern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%