Korruptionsskandal
Siemens verbietet Beraterverträge

Der Siemens-Konzern zieht auch im Tagesgeschäft Konsequenzen aus dem Korruptionsskandal und erlässt nun Maßnahmen, damit ähnliche Fehltritte nicht wieder vorkommen können. Die neuen Regeln sind zum Teil drakonisch.

MÜNCHEN. Nach Informationen des Handelsblatts aus Kreisen der Konzernführung hat der Vorstand des Münchener Technikkonzerns am 1. Februar ein generelles Verbot von vertriebsbezogenen Beraterverträgen erlassen. Ausnahmen sind ab sofort nur noch durch eine Genehmigung des Chief Compliance Office möglich. Chef dieses Ressorts, das für rechtlich sauberes Geschäftsgebaren zu sorgen hat, ist seit Anfang des Jahres der ehemalige Stuttgarter Oberstaatsanwalt Daniel Noa.

Mit der Maßnahme reagiert Konzernchef Klaus Kleinfeld auf den Missbrauch von Beraterverträgen im Kommunikationsbereich Com. Nach internen Untersuchungen waren dort zwischen 2000 und 2006 unklare Beraterverträge in einer Summe von 426 Mill. Euro aktenkundig geworden. Diese könnten mit Schmiergeldzahlungen in Zusammenhang stehen.

Finanzchef Joe Kaeser hatte bereits auf der Hauptversammlung Ende Januar angedeutet, dass der Konzern bei den Beraterverträgen harte Konsequenzen ziehen werde. Zudem hatte Kaeser verkündet, er werde die Zahlungssysteme im Konzern zentralisieren. So wird Siemens die Zahl dezentraler, von den Bereichen geführter Konten massiv verringern. Alle Bereiche sollen künftig nur noch über ein zentrales Siemens-Zahlungssystem abrechnen.

Für die Unternehmenskultur von Siemens, die sich lange durch die hohe Eigenständigkeit der Geschäftsbereiche auszeichnete, bedeutet dies einen harten Einschnitt. Bislang habe es zur Philosophie gehört, mit „Vertrauen“ zu führen, hieß es aus der Führungsetage. Der Skandal um die schwarzen Kassen zeige aber, dass die Kontrollen offenbar noch schärfer ausgestaltet werden müssten.

Wie stark der Schritt das Alltagsgeschäft von Siemens beeinflusst, ist nach Ansicht von Analysten derzeit nur schwer einzuschätzen. Gerade im internationalen Anlagengeschäft spielten Beraterverträge eine wichtige Rolle, hieß es. Klar sei aber auch, dass vom Beschluss des Vorstands eine „Signalwirkung“ ausgehe. Siemens erwartet kurzfristig von der Entscheidung keine nennenswerten Folgen für das laufende Geschäft. Der Auftragseingang sei weiterhin stark, hieß es im Umfeld des Konzerns.

Seite 1:

Siemens verbietet Beraterverträge

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%