Kostenloses TV-Portal
Gericht stoppt Online-Pläne von RTL und ProSiebenSat.1

RTL und ProSiebenSat.1 haben ehrgeizige Pläne für ein TV-Portal im Internet entwickelt. Doch nun müssen die Privatsender ihr Projekt wohl begraben. Das Oberlandesgericht Düsseldorf kippt den kostenlosen Kanal.
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DüsseldorfRTL und ProSiebenSat.1 müssen ihre Pläne für eine gemeinsame "Mega-Mediathek" im Internet wohl begraben. Das Oberlandesgericht Düsseldorf sah in dem geplanten werbefinanzierten Online-TV-Portal einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht und bestätigte am Mittwoch ein bereits im Frühjahr 2011 vom Bundeskartellamt ausgesprochenes Verbot.

Die beiden größten deutschen Privatsender wollten gemeinsam eine auch für andere Sender offene, werbefinanzierte Online-Plattform gründen. Dort sollten Fernsehzuschauer Serien, Filme, Shows und Nachrichtensendungen nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage lang abrufen können. Durch die Konzentration der Angebote unter einer Netzadresse erhofften sich die Sender unter anderem eine leichtere Auffindbarkeit der Medieninhalte für die Verbraucher und damit höhere Einnahmen aus der Internet-Video-Werbung.

Nach Auffassung des Gerichts würde durch die geplante "Mega-Mediathek" jedoch das marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen im Fernseh-Werbemarkt weiter verstärkt. Außerdem verstoße die Online-Video-Plattform gegen das Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen, hieß es im Urteil.

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, begrüßte die Entscheidung als "wichtiges Signal für den Wettbewerbsschutz im Bereich der neuen Medien". Bei den Sendern stieß das Urteil dagegen auf Unverständnis. Ein Sprecher von ProSiebenSat.1 erklärte, die Entscheidung sei für das Unternehmen nicht nachvollziehbar. Das Veto des Gerichts sei "auch eine Entscheidung gegen die deutsche Medienwirtschaft, denn ausländische Konzerne werden nicht mehr lange zögern, diesen Markt aufzurollen".

Ein Sprecher der Mediengruppe RTL Deutschland betonte, man halte die geplante Plattform nach wie vor für wettbewerbsrechtlich unbedenklich. Beide Sender wollen nun zunächst die Urteilsbegründung prüfen und dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Zwar ließ das Gericht eine Rechtsbeschwerde nicht zu. Doch können die Sender gegen diese Entscheidung noch Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

Das Bundeskartellamt hatte bereits im März 2011 ein Veto gegen die Senderpläne ausgesprochen. Die Wettbewerbshüter befürchteten durch das Gemeinschaftsunternehmen eine Verstärkung des marktbeherrschenden Duopols im Fernseh-Werbemarkt und eine Ausweitung dieser Machtposition auf die Video-Werbung im Internet.

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF planen unter dem Arbeitstitel "Germany's Gold" ebenfalls eine gemeinsame Online-Mediathek. Hier dauert die kartellrechtliche Prüfung noch an. Eine Behördensprecherin sagte am Mittwoch, Dauer und Ausgang der Prüfung seien noch offen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kostenloses TV-Portal: Gericht stoppt Online-Pläne von RTL und ProSiebenSat.1"

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  • Schande sowas!
    Ich bin zwar kein großer Fan von RTL und Doof-TV, aber durch eine solche Plattform hätte man doch wirklich einen großen Sprung nach vorne gemacht. Was ist? Stattdessen werden innovative Pläne in der Luft zerissen.
    Genaue Informationen habe ich zwar gerade nicht vorliegen, aber ich meine, dass eine gemeinsame Streamingplattform von ZDF und ARD genehmigt wurde.
    Erbärmlich, da braucht man sich nicht wundern, dass viele Leute die Serien illegal anschauen.

  • Es ist eine Frechheit seinesgleichen das man für bestimmte Medien gezwungen ist diese zu bezahlen.
    Selbst wenn man diese nicht in anspruch nimmt.
    Es mögen für manche interessante Filme und Serien auf GEZ-Sendern ohne Werbung ausgestrahlt werden.
    Jedoch sind dies nicht für alle Leute interessant.
    Die Werbeunterbrechungen bei Pro7 Sat usw. sind unverschämt lange, was auch nicht zumutbar ist so finde ich. Durch solche Werbeunterbrechungen werden Filme erheblich gekürzt um überhaupt schaffbar zu werden. Siehe Avatar bei Pro7, der Film ist total aus dem zusammenhang gerissen.
    Warum ist es eigentlich so schwer ein attraktives PayTV erschaffen, das die interessen der Leute abdeckt...
    und nicht wie es zur Zeit ist PayTV zusätzlich zu GEZ-TV.
    das ist doch echt der wucher, wenn man beides in einem Packet nehmen muß. vor allem nutz ich eh nicht ARD und schlag mich tot... diese Sender muß ich doch nicht in tausenden Packeten mit drin haben. und auf der Rechtsgrundlage das ich ein Empfangsgerät besitze und diese Sender empfange muß ich se mir net reinziehen...!

  • Die Zensurwut schlägt schon wieder zu. Ich schrieb:

    Richtig, die Privaten könnten doch das GEZ-finanzierte Gehirnwäsche-Fernsehen im Internet bedrohen. Die Meinungsbildung der Deutschen ist doch der Aliierten höchstes Gut!

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