KPN hat Ziele angehoben
E-Plus-Mutter mit überraschend hohem Gewinn

Der niederländische Telekomkonzern KPN hat nach einem überraschend hohen Quartalsgewinn seine Geschäftsziele für das Gesamtjahr angehoben. Die deutsche Mobilfunk-Tochter E-Plus setzte ihr Kundenwachstum fort, was die Kosten nach oben trieb und wie angekündigt das operative Ergebnis abermals belastete.

Reuters AMSTERDAM. KPN erwirtschaftete im zweiten Quartal zum vierten Mal in Folge einen Netto-Gewinn, verzeichnete nach dem Verkauf von Geschäftsbereichen jedoch Einbußen beim Umsatz. KPN-Chef Ad Scheepbouwer erklärte am Freitag, das organische Wachstum in den Kerngeschäftsfeldern Festnetz und Mobilfunk sei allerdings angekurbelt worden. „Nach einem guten ersten Halbjahr, sind wir so zuversichtlich, dass wir unsere anspruchsvollen Geschäftsziele für 2003 ein weiteres Mal anheben“, fügt er hinzu. KPN rechnet nun bis Jahresende mit einem Anstieg des operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um mindestens zehn Prozent statt bisher fünf Prozent zum Vorjahreswert von 4,38 Mrd. €. Dank eines höheren Barmittelzuflusses sollen die Schulden bis Jahresende nun auf 9,5 Mrd. € statt - wie bisher geplant - auf zehn Mrd. € sinken.

An der Börse wurden die Geschäftsergebnisse des Konzerns positiv aufgenommen. Die KPN-Aktie legte bei überdurchschnittlichen Umsätzen um zwei Prozent auf 6,59 € zu. KPN-Analyst Philip Schlote von Stroeve Effectenbank sagte: „Die meisten Zahlen sind gut.“ Der Konzern, der im europäischen Vergleich zu den kleineren Anbietern zählt, habe seine Margen verbessert, vor allem im Festnetzgeschäft.

Im abgelaufenen Vierteljahr betrug der Netto-Gewinn 192 Mill. € nach einem Rekordverlust von 9,26 Mrd. € vor einem Jahr. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Netto-Gewinn von 148 Mill. € gerechnet. Im Vorjahr war das Ergebnis von massiven Abschreibungen auf die Mobilfunk-Beteiligungen belastet worden, die im laufenden Jahr wieder für Wachstum sorgten. Dennoch sank der Konzernumsatz um 1,3 % auf 3,043 Mrd. €, da sich KPN zur Schuldentilgung unter anderem von den Sparten Netzwerkbau und Branchenverzeichnisse getrennt hatte. Das operative Ergebnis Ebitda stieg auf Grund von Kosteneinsparungen um 14 % auf 1,247 Mrd. €. Die Verschuldung sank auf 10,2 Mrd. von 11,17 Mrd. € im Vorquartal.

Der von der deutschen Mobilfunktochter E-Plus eingeschlagene Wachstumskurs kostet den Konzern indessen weiterhin Geld. Die gestiegenen Kosten zur Gewinnung neuer Kunden hätten das Ebitda bei E-Plus auf 142 Mill. nach 168 Mill. € im Vorjahr sinken lassen. Die Ebitda-Marge sei auf 23,5 von 30,1 % geschrumpft. Für das Gesamtjahr bekräftigte E-Plus-Chef Uwe Bergheim für die Ebitda-Marge den Zielkorridor von 20 bis 25 %. Zum Jahresende solle die Kundenzahl bei über acht Mill. liegen, wiederholte Bergheim die bisherige Planung.

Als drittgrößter deutscher Mobilfunkanbieter gewann E-Plus im Quartal 270 000 neue Kunden hinzu und verzeichnet bis dato einen Kundenstamm von 7,8 Mill. Nutzern. Dieser Zuwachs liege deutlich über dem Marktdurchschnitt und habe zu einem Anstieg des Marktanteils auf 12,6 % geführt. Im vergangenen Jahr hatte E-Plus deutlich Marktanteile eingebüßt. Der Umsatz pro Kunde und Monat blieb mit 24 € zum Vorjahr stabil. Einen Nachfrageschub verzeichnete E-Plus dank neuer Handys beim bislang schleppend verkauften Multimedia-Dienst i-mode. Ende Juni nutzten 191 000 Kunden den Dienst, nach 140 000 zahlenden Nutzern Ende des ersten Quartals.

Die E-Plus-Mutter KPN bekräftigte, dass es keine Bestrebungen zu einer Fusion von E-Plus mit dem kleinsten deutschen Mobilfunkbetreiber O2 gebe. „Wir verhandeln nicht mit MMO2“, sagte KPN-Chef Scheepbouwer. Analysten plädieren seit längerem für eine Fusion von KPN mit der britischen 02-Mutter MMO2, da beiden Firmen für sich genommen Wachstumsperspektiven fehlten.

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