Kreditgeber verteidigen Rettungsplan für Kabelfirma
Großinvestor ist gegen Primacom-Auflösung

Bei der morgigen Hauptversammlung des TV-Kabelbetreibers Primacom wollen Aktionärsschützer und einer der Großinvestoren schweres Geschütz auffahren, um die geplante Auflösung des Unternehmens zu verhindern.

slo DÜSSELDORF. In Gegenanträgen werfen sie den Vorständen vor, gegen die Firmeninteressen zu verstoßen und denen zu „dienen“, die von der Auflösung profitieren.

Zudem wollen sie Sonderprüfungen beantragen, um zu klären: War ein Kredit an Primacom mit einem Zinssatz von 20 % sittenwidrig? Welchen Wert hat die Firma? Gibt es Absprachen zwischen Gläubigern und Aktionären?

Das Primacom-Vermögen soll an die BK Breitband Kabelnetz Holding übergehen, die die Kreditgeber des Unternehmens, JP Morgan Chase und Apollo Management, kontrollieren. Die Aktionäre sollen mit jeweils 0,25 Euro pro Aktie und damit insgesamt 5 Mill. Euro entschädigt werden. Dieses Vorgehen hat das Ziel, den mit knapp 1 Mrd. Euro verschuldeten Kabelnetzbetreiber vor der Insolvenz zu bewahren. Die Schulden entsprechen etwa dem Neunfachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda).

Um den Auflösungsplan zu verwirklichen, müssen 75 % der Aktionäre zustimmen. Großaktionäre sind der US-Konzern Liberty Media mit 26,7 % und Wolfgang Preuß mit 13,6 %. Preuß hat schon angekündigt, gegen die Auflösung zu stimmen.

Nach Angaben der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger gibt es noch andere Rettungsmöglichkeiten: Primacom könnte zum Schuldenabbau die niederländische Tochter Multikabel verkaufen. Kreditgeber könnten zudem ihre Forderungen in Firmenanteile umwandeln.

Diese lehnen das jedoch ab. Denn für einen solchen Fall wurden Konditionen vereinbart, die das Unternehmen für heutige Verhältnisse sehr hoch bewerten – mit dem Zwölffachen des Ebitda. Derzeit werden Kabelbetreiber für das Sieben- bis Achtfache des Ebitda gekauft: „Niemand wird sich bereit erklären, die Firma für eine Summe zu übernehmen, die über ihren Schulden liegt“, sagt Michael Block, Sprecher von Apollo.

Auch ein Verkauf von Multikabel kommt für die Gläubiger wohl nicht in Frage. Sie müssten dafür die Zustimmung geben. „Ein Verkauf von Multikabel würde zu einer Verschlechterung des Kreditprofils führen und dem würde kein Kreditgeber zustimmen“, sagt Block. Daher sei die Transaktion an die BK Breitband Kabelnetz der beste Weg, um eine Insolvenz zu vermeiden.

Der Primacom-Vorstand wehrt sich ebenfalls gegen den Vorwurf, er habe Verträge mit den neuen Firmeneignern geschlossen und sei daher nicht neutral, wenn es Zukunft der Firma gehe. Es sei üblich, dass Manager mitwechseln, wenn das operative Geschäft verkauft werde, heißt es in einer Stellungnahme des Vorstands auf Gegenanträge der Aktionäre.

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