Kreml-treue Berichterstattung
Russischer Moderator nach Zensur gefeuert

Der russische Starmoderator Leonid Parfjonow hatte einen Zensureingriff des Geheimdienstes in seine beliebte Sendung publik gemacht. Daraufhin hat der Fernsehsender NTW ihn entlassen.

HB MOSKAU. Parfjonows wöchentliche Sendung „Namedni“ (Neulich), die als wichtigstes Politmagazin in Russland galt, werde abgesetzt, erklärte der Moskauer Sender nach Berichten vom Mittwoch. Die Büros der Redaktion wurden versiegelt.

Parfjonow hatte öffentlich gemacht, dass in der letzten Ausgabe von „Namedni“ auf Anordnung des Geheimdienstes ein Beitrag über die Ermordung des tschetschenischen Separatistenführers Selimchan Jandarbijew in Katar abgesetzt worden sei. Der Journalist habe damit gegen die Politik des Senders und seinen Vertrag verstoßen, erklärte NTW. Zwei russische Geheimdienstler stehen derzeit in Katar wegen des Attentats vor Gericht.

Der russische Journalistenverband und liberale Politiker kritisierten den Beschluss des vom halbstaatlichen Gaskonzern Gasprom beherrschten Senders NTW. „Dieses Vorgehen bedeutet allen, dass sie still halten und schweigen sollen“, sagte die Politikerin Irina Chakamada. Kreml-treue Abgeordnete, aber auch mehrere Chefredakteure Moskauer Medien äußerten sich dagegen zustimmend.

Unter der Herrschaft von Präsident Wladimir Putin folgen die staatlichen Kanäle ORT und Rossija strikt der Linie des Kremls. NTW hatte sich trotz der Zugehörigkeit zu Gasprom einen Rest an kritischer Berichterstattung bewahrt.

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