RTL ist zwar vorsichtig optimistisch, sein Ziel für das Geschäftsjahr 2008 zu erreichen. Für das neue Jahr will Christian Körner, Sprecher der Mediengruppe, aber keine Prognose abgeben. „Low visibility“ nennt die Branche das – zu deutsch: Keiner weiß, was das nächste Jahr bringt. „Eine solche Unsicherheit in Bezug auf den TV-Werbemarkt habe ich noch nie erlebt“, sagt auch Super-RTL-Chef Claude Schmit.
Minister Krautscheid erwartet die schlimmsten Einschnitte in den Traditionsbranchen Print und Fernsehen. Finanzspritzen kann er sich zwar nur schwer vorstellen, denn europarechtlich wären das staatliche Beihilfen – und dann droht Ärger aus Brüssel. Stattdessen will Krautscheid die kartellrechtlichen Bestimmungen lockern. Bis jetzt dürfen sich große Verlage nur mit maximal 24,9 Prozent an lokalen Fernsehsendern beteiligen; diese Grenze soll nach dem Willen des Ministers bald wegfallen. Weitere Maßnahmen will er demnächst mit Vertretern von Verlagen und TV-Sendern besprechen.
Allerdings weiß Krautscheid, dass er den kommenden Wandel nicht aufhalten kann. „Die Zahl der Arbeitsplätze wird zwar konstant bleiben. Aber die Stellen werden von den klassischen Medien, also Print und Fernsehen, in die neuen Bereiche rund ums Internet, mobile Dienste und elektronische Spiele abwandern“, glaubt er.
Das hat sich zumindest in den vergangenen zehn Jahren bestätigt, in denen die Zahl der Beschäftigten nahezu unverändert blieb. Den Kern der Branche machen kleine Unternehmen aus, die auf Grund ihrer Größe flexibel reagieren könnten. „Deswegen können Produzenten vom Fernsehprogramm auf Industriefilme umsteigen, wenn es sein muss“, sagt Konrad Peschen, Leiter der Kölner Stabstelle Medien. Oder auf ganz neue Formate der Mobilnetzbetreiber Vodafone, E-Plus und T-Mobile aus den Nachbarstädten Bonn und Düsseldorf. Für Informationsdienste oder Videoclips fürs Handy brauchen sie Partner aus dem Medienbereich.
Bevor die Stadt Köln zu Hilfsmaßnahmen greift, will Peschen daher erstmal abwarten. „Bei Wirtschaftskrisen ist auch viel Psychologie im Spiel“, sagt er. Soll heißen: Vielleicht wird alles auch nicht so schlimm.


