Kriselnder Smartphone-Hersteller
Blackberry sendet wieder Lebenszeichen

Gelingt Blackberry das Comeback? Der kriselnde Smartphone-Hersteller verbreitet Optimismus. Ein neues Smartphone soll Manager und Berater begeistern, eine neue Software die IT-Chefs. Die Anleger sind angetan. Zurecht?
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DüsseldorfAls Apple kürzlich das neue iPhone vorstellte, warb der Konzern mit dem dünnen Design, dem „fantastischen Display“ und den „innovativen Technologien“, die im Gerät stecken. Als Blackberry diese Woche sein neues Spitzenmodell Passport der Öffentlichkeit zeigte, redeten die Manager lieber davon, dass man dank des breiten Bildschirms besonders gut Excel-Tabellen bearbeiten könne. Zurückhaltender hat wohl noch kein Hersteller ein Smartphone angepriesen.

Es ist ein deutliches Signal: Blackberry will die Unternehmenskunden zurückgewinnen. Der Konzern überlässt Apple und Samsung das Feld, wenn es darum geht, die Verbraucher zu begeistern. Die eigenen Smartphones richten sich an Manager und Berater (hier finden Sie einen Testbericht des Passport). Und sind ein wichtiges, aber längst nicht mehr der wichtigste Geschäft. Denn der Erfinder der kleinen E-Mail-Maschinen will vor allem mit Software Geld verdienen, die sichere Kommunikation ermöglicht und bei der Verwaltung der mobilen Geräte hilft.

Die am heutigen Freitag vorgelegten Quartalszahlen zeigen indes, dass der Weg noch weit ist: Der Konzern macht wegen hoher Abschreibungen 207 Millionen Dollar Verlust, Gewinne schreibt er nach eigenen Einschätzungen erst wieder 2015 oder 2016. Zudem sinkt der Umsatz weiter. Weil die Anleger mit schlimmeren Zahlen gerechnet hatten, stieg Aktienkurs aber.

Blackberry hatte den Trend zu einfach bedienbaren Smartphones mit Touchscreen verpasst, den Apple mit dem ersten iPhone setzte und fast alle anderen Hersteller anschließend imitierten. Unter dem deutschen Vorstandschef Thorsten Heins frischte Blackberry zwar sein Betriebssystem auf und brachte zahlreiche neue Geräte auf den Markt, einige auch ohne die typische Blackberry-Tastatur. Doch die Käufer griffen zu iPhone, Galaxy und anderen Modellen. Der Absatz brach ein, die Verluste stiegen in bedrohliche Höhe – und Heins musste gehen.

Sein Nachfolger John Chen, seit November 2013 im Amt, will aus der Not eine Tugend machen. Das kanadische Unternehmen verkauft zwar weiterhin Geräte, um die treuen Fans in Schwellenländern wie Indonesien wie auch in den Management-Etagen und Unternehmensberatungen zu bedienen. Aber einen Teil der Produktion samt Risiken hat er an den chinesischen Auftragsfertiger Foxconn ausgelagert. Als Kerngeschäft sieht Chen nun Software und Dienste, mit denen Firmenkunden und Regierungen die Smartphones und Tablets ihrer Mitarbeiter sicher verwalten können – unabhängig davon, ob diese von Apple, Samsung oder Blackberry stammen. Experten sprechen von Mobile Device Management (MDM).

Chen hofft, dass Blackberry mit seinem Ruf punkten kann: Die Technologie gilt als sehr sicher und ist in Zeiten der NSA-Affäre ein gutes Verkaufsargument. Erst im Juli übernahm der Konzern den deutschen Verschlüsselungsspezialisten Secusmart, dessen Technologie auch in Handys der Bundesregierung zum Einsatz kommt, etwa dem „Merkel-Phone“. Mit Blackberry schreibt man künftig nicht nur verschlüsselte E-Mails, sondern man telefoniert auch sicher. Ein weiterer Zukauf soll beispielsweise die Verwaltung verschiedener Telefonnummern auf einem Gerät ermöglichen.

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Blackberry Passport spielt bereits Gewinn ein

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