Kritik an Chef
Yahoo-Chefsessel wird zum heißen Stuhl

Nach der gescheiterten Milliardenübernahme durch Microsoft ist die Aktie von Yahoo nach dem Kurssturz an den deutschen Börsen auch zu Handelsbeginn in den USA eingebrochen. Dem Internet-Konzern droht nun massiver Streit mit seinen Aktionären. Unter Hochdruck steht nun vor allem Yahoo-Chef Jerry Yang, der nun für weiteres Wachstum dringend nach Bündnispartnern wie dem Suchmaschinen-Riesen Google suchen muss. Microsoft könnte unterdessen Experten zufolge statt Yahoo eine Reihe kleinerer Web-Unternehmen für Zukäufe ins Visier nehmen.

HB NEW YORK. Der Yahoo-Aktienkurs knickte am Montag zu Handelsbeginn in New York um fast 20 Prozent auf 23 Dollar ein und spiegelte damit die Enttäuschung der Anleger über das Scheitern der Fusion und die Skepsis von Analysten über die künftige Entwicklung bei Yahoo wider. Auch an den deutschen Börsen war der Kurs der Aktie zuvor bereits um fast zwanzig Prozent abgestürzt. Allerdings notierten die Papiere damit noch deutlich über den rund 19 Dollar, zu denen sie unmittelbar vor dem Microsoft-Angebot Ende Januar notiert hatten. Am Freitag hatten die Titel bei 28,67 Dollar geschlossen. Microsoft hatte zuletzt 33 Dollar je Aktie, also insgesamt 47,5 Mrd. Dollar für die Übernahme geboten. Mehrere Banken senkten bereits ihre Einstufungen der Yahoo-Aktie.

Der Softwareriese Microsoft hatte am Wochenende zuletzt 33 Dollar je Yahoo-Aktie geboten. Die Yahoo-Spitze verlangte aber Microsoft zufolge mindestens 37 Dollar oder insgesamt weit über 50 Mrd. Dollar (32,4 Mrd Euro). Daraufhin zog der Windows-Konzern sein Angebot offiziell zurück. Mit dem Kauf wollte Microsoft die Dominanz des Rivalen Google bei Online-Suche und Internet-Werbung brechen.

Das Angebot hätte für Yahoo-Aktionäre einen Gewinn von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Kurs vor der Offerte Ende Januar bedeutet. Großinvestoren äußerten bereits massive Verärgerung über die Yahoo-Führung. Unter anderem wird die Frage laut, ob das Verhalten von Yang nicht mehr von Emotion und Ego gesteuert ist als von nüchternem Geschäftssinn. Eine Zustimmung wichtiger Anteilseigner zu einem Kaufpreis von etwa 35 Dollar wäre gut möglich gewesen, deutete der zweitgrößte Yahoo-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Legg Mason, in einem Interview der "New York Times" an.

Analysten und Investoren wundern sich jedenfalls, warum sich beide Seiten nicht auf 35 Dollar pro Aktie und damit in der Mitte der von Microsoft gebotenen 33 und der von Yang geforderten 37 Dollar einigen konnten. „Sie schienen gar nicht so weit auseinander“, sagte Darren Chervitz, Co-Manager des Jacob-Internet-Fonds, der Anteile an Yahoo hält. „Wahrscheinlich liegt Schuld auf beiden Seiten, aber ich denke doch zum größten Teil bei Yang.“

Scott Kessler vom Investmenthaus Standard & Poor's sagte, auf Yang liege jetzt der Druck, Ergebnisse und Shareholder Value zu liefern. Kessler und andere Analysten erwarten, dass die Aktie von Yahoo am Montag einen Großteil der jüngsten Gewinne wieder abgibt. "Es dürfte eine Weile dauern, bis die Aktie wieder da ist, wo sie am Freitag stand", meinte Kessler.

„Die Aktionäre sind klar frustriert“, sagt auch Investor Chervitz. „Ich bin nicht sicher, ob Yahoo sich um seine Aktionäre überhaupt Gedanken macht. Viel Rücksicht auf Aktionärsinteressen haben sie in dieser Geschichte jedenfalls nicht genommen.“

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