Kritik an der EU-Wettbewerbspolitik: Lieferengpässe bei Chips von Infineon

Kritik an der EU-Wettbewerbspolitik
Lieferengpässe bei Chips von Infineon

Die steigende Nachfrage nach Chips bringt Infineon in eine ungewohnte Situation: Europas zweitgrößter Chiphersteller kämpft mit Lieferproblemen. "Wir können die Kundenwünsche derzeit nicht in vollem Umfang befriedigen", räumte Infineon-Chef Ulrich Schumacher im Gespräch mit dem Handelsblatt ein.

HB DÜSSELDORF.Die Auslastung des Unternehmens betrage in allen Segmenten 100 %, während die Nachfrage bei 110 % liege. Diese Tendenz, so Schumacher, setzte sich fort. "Die Absatzkrise der Speicherindustrie geht nahtlos in eine Lieferkrise über", so der Chef der ehemaligen Siemens-Tochter. Die Branche kämpfe derzeit mit "massiven Unterkapazitäten." Schumacher: "Jetzt rächt sich, dass in den vergangenen schwachen Jahren viele Unternehmen nicht gegen den Konjunturtrend investiert haben."

Auch die Preisentwicklung verläuft nach Angaben des Münchner Firmenchefs wieder positiv. Noch im vergangenen Jahr habe der Wertverlust der Infineon-Halbleiterprodukte gegenüber dem Vorjahr durchschnittlich 30 % betragen. Dies entspreche einem Umsatzverlust von 1,5 Mrd. Euro. Diese bedrohliche Entwicklung sei nun gestoppt. "Die Zeit der Nachlässe ist vorüber". Einige Preise seien sogar um 20% gestiegen. Der Aufwärtstrend ist nach Angaben Schumachers umso bemerkenswerter, da der Absatz von Speicherchips im ersten Quartal nach Weihnachten traditionell schwach sei.

Vor dem Hintergrund voller Auftragsbücher und stabilisierter Preise sind laut Schumacher die Pläne des Vorjahres über eine Verlegung der Konzernzentrale von München ins Ausland "derzeit nicht relevant". Allerdings arbeite das Unternehmen weiterhin an dem Ziel, "die Steuerlast deutlich zu optimieren".

Harsche Kritik übt der Infineon-Chef an der Wettbewerbspolitik der EU-Kommission in Brüssel, die die Absatzchancen der Branche falsch einschätze. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti prüft derzeit den geplanten Bau eines neuen Infineon-Werkes für Spreicherchips im portugiesischen Villaconde. Monti will beantragte Regionalbeihilfen in Höhe von 43 Mill. Euro massiv kürzen, weil die neue Chipfabrik in einen "tendenziell schrumpfenden Markt" hinein gebaut werde und die Überkapazitäten verstärke. Die Brüsseler Einschätzung eines überfluteten Chip-Marktes sei "formalistisch und überholt", urteilt Schumacher.

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