Kronen-Zeitung
Springer muss Übernahme abhaken

Der Verleger der österreichischen „Kronen Zeitung“ will von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, falls der WAZ-Anteil zum Verkauf steht. Die Übernahme durch den Medienkonzern Springer verhindert Familie Dichand.
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DüsseldorfDer Versuch des Medienkonzerns Axel Springer („Bild“, „Welt“), das österreichische Boulevardblatt „Kronen Zeitung“ zu übernehmen, ist zum Scheitern verurteilt. Grund ist der Widerstand der Familie Dichand, der die Hälfte am österreichischen Marktführer gehört. Die andere Hälfte besitzt die deutsche WAZ-Gruppe, die Springer für 1,4 Milliarden Euro komplett übernehmen will. Dichand besitzt jedoch ein Vorkaufsrecht für die WAZ-Anteile an der Kronen Zeitung - und will es nutzen, um Springers Angriff abzuwehren. „Wir verfolgen die Entwicklungen in Deutschland mit großem Interesse“, sagte Christoph Dichand, Geschäftsführer und Herausgeber der „Kronen Zeitung“, dem Handelsblatt (Freitagsausgabe). „Vor allem auch, weil die Familie Dichand für den Fall eines Verkaufs der WAZ-Anteile an der Kronen Zeitung ein klar geregeltes Vorkaufsrecht hat. Und dieses Vorkaufsrecht gedenken wir auch auszuüben!“

Axel Springer wollte die Haltung Dichands am Donnerstag nicht kommentieren. Eine Konzernsprecherin sagte nur, das Haus warte die weiteren Entwicklungen ab. Laut „Manager Magazin“ hatte Springer-Chef Matthias Döpfner an die WAZ-Gesellschafter geschrieben, dass „nach wie vor ein erhebliches Interesse an einem Erwerb der WAZ-Beteiligungen in Österreich, „Krone“ und „Kurier“, bestehe. Ein entsprechender Brief wurde am vergangenen Freitag veröffentlicht.

Der Kauf der „Kronen Zeitung“ macht für Springer viel Sinn. Zusammen mit „Bild“, Europas größtem Boulevard-Blatt, hätte Springer dann einen weiteren Marktführer mit einer außergewöhnlich guten Marktdurchdringung in der Alpenrepublik. Das Verhältnis zwischen WAZ-Gruppe und der Familie Dichand gilt seit Jahren als schwierig. Zum Wert des 50 Prozent-Anteils gibt es nur Schätzungen. Österreichische Insider sprechen von 150 bis 200 Millionen Euro. Der Wert des 50 Prozent-Anteils der Familie Dichand ist aber größer als der WAZ-Anteil. Denn die Familie Dichand hat eine vertraglich festgelegte Gewinngarantie. Wiener Insider sprechen von einem hohen einstelligen Millionen-Betrag.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • Sowohl bei der Kronen-Zeitung als auch bei der WAZ wird Springern keinen Erfolg haben.

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