Künstliche Intelligenz: Die Japan-AG investiert

Künstliche Intelligenz
Japans große Aufholjagd

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Die Japan-AG investiert

Japans Autofirmen haben zusammen mit Zulieferern und Softwareentwicklern die Initiative „Automotive Grade Linux“ gegründet. Gemeinsam entwickeln sie ein offenes Betriebssystem für Autos, um die Kontrolle über die Fahrdaten nicht an Apple oder Google zu verlieren. Daimler trat im Anfang des Jahres zu dem Bund bei.

Gleichzeitig investieren die Hersteller massiv in die eigene Zukunft. Japans sieben führende Autobauer haben diesen Monat in ihren Jahresbilanzen erklärt, dass sie 2017 trotz sinkender Gewinne die Rekordsumme von 23 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgeben wollen. Ein wichtiger Beweggrund ist autonomes Fahren. Denn während der Olympiade sollen schließlich die ersten Robotertaxis in einigen Regionen der Hauptstadt Passagiere befördern.

Auch die Elektronikindustrie springt auf den Zug auf. Der Elektronikkonzern Panasonic beispielsweise kündigte im April an, in fünf Jahren ein Heer von 1000 Ingenieuren aufzubauen, das Maschinen und Systemen das Fühlen und Denken einprogrammieren soll. Selbst Japans konservative Finanzindustrie umarmt den neuen Trend. Versicherer und Broker investieren in Chatbots und smarte Systeme zur Bewertung von Schäden oder dem Aufspüren verdächtiger Transaktionen.

Einige Finanzinstitute streben dabei gleich in die Welt hinaus. Die Großbank Mizuho arbeitet mit Fujitsu an einer eigenen virtuellen Währung für nationale und internationale Transaktionen. „Wenn wir eine Plattform entwickeln, werden wir vielleicht versuchen, sie zu exportieren“, sagte Daisuke Yamada, Mizuhos Chief Digital Innovation Officer, auf dem Fujitsu Forum.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer ist Japans Industriestruktur. Mit ihrem starken Fokus auf der verarbeitenden Industrie im Allgemeinen und dem Maschinen- und Anlagenbau oder der Autoherstellung im Besonderen ähnelt sie Deutschlands. Doch es gibt wichtige Unterschiede, die Japans traditionelle Fähigkeit zur Aufholjagd teilweise erklären.

Erstens die Zahl der Rivalen: Wenn es in Deutschland ein oder wenige Unternehmen in einem Feld gibt, treibt sich in Japan gleich eine Gruppe zu Höchstleistungen an. Deutschland hat Siemens, Japan mit Hitachi, NEC, Toshiba gleich mehrere Technikkonzerne.

Bei Industrierobotern wiederholt sich das Bild: Deutschland hat Kuka, wenn auch das Unternehmen nun in chinesischer Hand ist. In Japan konkurrieren Fanuc, Yaskawa, Kawasaki Heavy um die Ausrüstung der Fabriken. Und sie bekommen dabei noch neue einheimische Rivalen wie Japans größten Automobilzulieferer Denso oder den Mobilnetzbetreiber und Technikinvestor SoftBank, der mit hohen Investitionen zu einer Weltmacht in Robotik und künstlicher Intelligenz werden will.

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