Kulturkanal Arte
Ausbruch aus dem Paradies

Das Fernsehparadies, es liegt in Straßburg. Doch dem Kulturkanal Arte wird es in Deutschland und Frankreich zu eng. Jetzt will er den schwierigen spanischen TV-Markt erobern.

STRASSBURG. Elegant zieht ein Storch seine Kreise über dem silbrigen Metallglas-Kubus des futuristischen Gebäudes. Auf dem Flüsschen Ill schieben sich langsam die Ausflugsschiffe vorbei. Wie schwimmende Aquarien sehen sie aus, voll gestopft mit staunenden Touristen.

Ja, es gibt sie noch, die gute, die schöne, die alte Fernsehwelt. Kein Quotendruck, keine Geldsorgen, kaum Konkurrenz – am Sitz des französischen Kulturkanals Arte geht es so komfortabel zu, wie sich TV-Macher das nur wünschen können. Finanznöte haben die anderen. Hier gilt der Begriff als Fremdwort.

Trotzdem will der Sender nun ausbrechen aus diesem Paradies, aufbrechen in ein Land, in dem Kultur-TV klein, Milliardenschulden dagegen groß geschrieben werden. Arte verhandelt zurzeit mit der spanischen Regierung über die Gründung eines Kulturkanals in spanischer Sprache. Arbeitstitel: „Arte España“.

Die Väter der Initiative heißen Jerome Clement, Präsident des Kulturkanals, und José Luis Rodríguez Zapatero, der spanische Regierungschef. „Die Spanier haben uns gebeten, Gesellschafter und wichtiger Programmlieferant zu werden“, berichtet der 60-jährige Clement. Eine Delegation aus Straßburg hat bereits mehrmals mit spanischen Regierungsvertretern und dem dortigen Rundfunk Televisión Española (TVE) zusammengesessen, um das Projekt voranzutreiben. „Der Wille der Spanier konkretisiert sich. Die Regierung ist bereit, 60 bis 80 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln zur Verfügung zu stellen“, sagt Clement.

Mit dem Sozialisten Zapatero weiß sich der Sozialist Clement offenbar auf einer Wellenlänge. Im Gegensatz zu Zapateros Vorgänger José Maria Aznar will der kulturbeflissene Kastilier die Macht des privaten Fernsehens beschneiden.

Außerdem hegt Zapatero die Hoffnung, mit „Arte España“ das Image des heimischen TVs verbessern zu können. Neben dem italienischen gilt es europaweit als das niveauloseste. Billige Klatsch-Sendungen und kitschige Telenovelas beherrschen das Programm. „Telebasura“ – Fernsehmüll – nennen es die Spanier.

Ein ambitioniertes Unterfangen. Arte gilt nicht gerade als Zuschauermagnet. In Deutschland erreicht der Sender nur eine verschwindend geringe Minderheit. Abends sind es teilweise nur ein paar tausend Zuschauer. Von Geldsorgen will man in Straßburg dennoch nichts wissen. Finanziell ist der Kanal bestens ausgestattet. Er wird über Gebühren und Steuern alimentiert. Der Jahresetat beträgt 353 Millionen Euro.

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