Kundenangaben
Telekom droht eine neue Datenaffäre

Die jüngste Datenpanne der Deutschen Telekom ist womöglich umfangreicher, als der Konzern bislang eingeräumt hat. Die beiden Magazine „Spiegel“ und „Stern“ berichten, dass mehrere hunderttausend Kundendaten aus den Beständen der Telekom entwendet worden und ins Ausland gelangt seien.

hps/lou DÜSSELDORF. Die Angaben hätten neben der Adresse und Telefonnummer auch die Geburtsdaten sowie die Bankverbindung der Kunden enthalten. Die Telekom dagegen beruhigt: „Wir haben keinen einzigen Hinweis darauf, dass in großem Stil Kundendaten entwendet worden sind“, sagte ein Sprecher.

Der Konzern hatte in der vergangenen Woche erklärt, er habe unseriöse Vertriebspartner entdeckt und die Zusammenarbeit mit ihnen aufgekündigt oder Abmahnungen verschickt. Dabei gehe es aber nicht um geklaute Daten, sondern um eine unerlaubte Kundenakquise und Provisionsbetrug. Vier Vertriebspartner hätten unerlaubt Callcenter als Subunternehmer engagiert, die Telekom–Kunden ohne deren Einwilligung angerufen und ihnen neue Produkte verkauft. Abgerechnet worden seien Provisionen für den Verkauf in Geschäften, die bis zu ein Drittel höher liegen als Prämien für eine Telefon- Akquise.

Die Telekom hat diesen Fall im Februar bei der Staatsanwaltschaft Bonn angezeigt. Die Behörde habe den Konzern gebeten, den Fall nicht vor den Ermittlungen zu veröffentlichen, heißt es bei der Telekom. Die Staatsanwaltschaft war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Telekom bestätigt nun, dass es in dem Zusammenhang Verhaftungen in Deutschland gegeben hat. Laut Stern ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Ring von Datenhändlern und Callcenter-Betreibern und habe in 30 deutschen Städten Firmen und Privatleute durchsucht. Die meisten beschlagnahmten Daten gehörten Telekom-Kunden.

Ein Unternehmen, das die Polizei durchsucht habe, sei der kleine Callcenter-Betreiber Sedi Media aus Stuttgart. Im zweiten Halbjahr 2008 habe er vier Mio. Mal auf die Telekom-Kundendatenbank zugegriffen. Diese Zahl habe in keinem Verhältnis zu den Vertragsabschlüssen gestanden, erklärt die Telekom. Sie hat die Zusammenarbeit beendet. Sedi selbst wollte sich nicht äußern.

Die Datenpanne fügt sich in eine Reihe von Skandalen bei der Telekom. So wurde im vergangenen Jahr bekannt, dass dem Konzern 17 Mio. Daten von Mobilfunkkunden geklaut worden sind, die noch Monate später auf dem Schwarzmarkt kursierten.

In der Callcenter-Branche wächst angesichts der Pannen-Serie der Unmut. Hinter vorgehaltener Hand gibt es herbe Kritik an der Vorgehensweise des Konzerns. „Aufträge werden versteigert. Da liegt es in der Natur der Sache, dass stets die Billiganbieter die Nase vorne haben. Aber Datenschutz gibt es eben nicht zum Billigtarif“, heißt es bei einem Geschäftspartner. Große Call-Center-Betreiber haben zuletzt ihren Sicherheitsbedingungen verschärft. Beispielsweise verschlüsselt Walter seit Herbst vergangenen Jahres sämtliche Daten beim Versenden über E-Mail, um Datendiebstähle auszuschließen.

Im Umfeld der Telekom ist zu hören, dass der Konzern lange Zeit nicht so genau wissen wollte, auf welche Weise neue Kunden geworben worden sind. „Sie haben viel hingenommen, um die Nutzerzahl zu steigern“, erklärt ein Insider. „Vor allem der Vertrieb des Mobilfunks war eine Grauzone.“

Nach den jüngsten Skandalen hat die Telekom ihre Sicherheitsvorschriften deutlich erhöht. Seit Ende 2008 können Callcenter nur noch auf Kundendaten zugreifen, wenn der Kunde dem Callcenter-Agenten ein Passwort dafür nennt. Die Telekom erklärt, dieses System sei 2008 erst nach und nach eingeführt worden. Sie wisse deshalb nicht, ob es rein technisch möglich gewesen wäre, im vergangenen Jahr noch Kundendaten aus den Systemen zu stehlen.

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