Kundenschwund im US-Markt
T-Mobile steht das Wasser bis zum Hals

Für die Tochter der Deutschen Telekom wird es in den USA immer enger. In Bonn arbeitet man zwar mit Hochdruck an einer Lösung für die Tochter. Doch dass der Abwärtstrend gestoppt werden kann, wird bezweifelt.
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New YorkVor einigen Tagen platzte Sprint-Vorstandschef Dan Hesse der Kragen. „Ich werde immer noch dafür ans Kreuz genagelt, dass wir viel Kapital in Apples iPhone investiert haben“, klagte er auf einer Konferenz des Magazins „Fortune“.

Dann allerdings feierten ihn die Aktionäre. Die Aktie sprang nach Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen um fünf Prozent nach oben. Zwar schreibt der drittgrößte Mobilfunkanbieter der USA rote Zahlen, aber die fielen weniger schlecht aus als Analysten erwartet hatten. Vor allem gewann Sprint 263.000 Vertragskunden dazu. Der Grund: das iPhone.

Das gleiche Bild zeigte sich in den vergangenen Tagen bei den Branchenriesen AT&T und Verizon. Das lässt nichts Gutes ahnen für T-Mobile USA. Die Nummer vier hat als einziger Anbieter nicht das iPhone im Programm. Dabei ist der Verkaufsschlager von Apple einer der wenigen Lichtblicke im US-Mobilfunkmarkt. Der nähert sich seiner Sättigungsgrenze, nach jüngsten Zahlen der US-Mobilfunkvereinigung CTIA besitzt jeder Amerikaner statistisch gesehen mehr als ein Handy. Analysten erwarten eine historische Wende: In den ersten drei Monaten 2012 schrumpfte der Markt zum ersten Mal in seiner Geschichte.

Der US-Mobilfunkmarkt wird zum Nullsummenspiel: Was der eine gewinnt, verliert der andere – nämlich T-Mobile USA. JP Morgan sagt der US-Tochter der Deutschen Telekom einen Kundenschwund von bis zu 600.000 Vertragskunden vorraus, wenn das Unternehmen am 10. Mai seine Zahlen veröffentlicht. Das wäre ein schmerzlicher Aderlass, bereits im Quartal zuvor kehrten 800.000 Amerikaner dem Unternehmen den Rücken. Damit wird es langsam eng. Mit einer neuen Imagekampagne und einem Milliarden Dollar schweren Netzausbau versucht die Telekom, die Lage zu retten.

Aber das Kernproblem von T-Mobile USA wird so nicht gelöst: Der kleinste Anbieter sitzt zwischen den Stühlen. Für preisbewusste Kunden ist er zu teuer. Amerikaner, die bereit sind, für Qualität auch mehr zu zahlen, wechseln zu den großen Anbietern. Die Telekom-Tochter wirft nur noch einen hauchdünnen Gewinn ab. Nach Schätzung von Roger Entner von der Branchenberatung Recon Analytics verdient T-Mobile mit einem Quartalsumsatz von zuletzt 4,7 Milliarden Dollar nur 30 bis 50 Millionen Dollar. „Das Unternehmen ist wie ein Tanker, der noch so gerade über dem Wasserspiegel schwimmt“, sagt Entner.

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